
|
Die Predigt heute geht um das Thema Gesetz und Gnade. Gnade und Gesetzlichkeit. Wir werden in dem Bibeltext gleich genauer sehen, was diese beiden bedeuten und wo es einen Konflikt dazwischen gibt. In diesen Wochen befinden wir uns in einer Predigtreihe durch die Apostelgeschichte. Wir wollen die Geschichte der jungen christlichen Kirche als Beispiel nehmen, um das Ziel für unsere Gemeinde, für die Vineyard-Altona, genauer zu sehen. Wir wollen mit der Apostelgeschichte ein Bild dessen malen, wo unsere Gemeinde hinwill. Wir wollen die Vision der Vineyard ausmalen. So geht es nun diese Woche um Apg 15, das "Apostelkonzil", also eine besondere Versammlung der Apostel in Jerusalem. Zur Vorgeschichte des Bibeltextes: In der Apostelgeschichte wird erzählt, wie die Christen in Jerusalem und den umliegenden Städten Gemeinden gegründet haben und dann auch in den weiter entfernten Städten. Zuerst haben im Wesentlichen nur Juden die frohe Botschaft von Jesus gehört. Je weiter die Gemeinden von Jerusalem entfernt waren, desto öfter haben dann auch Nichtjuden das Evangelium gehört. Aus Sicht der Juden wurden diese Nichtjuden immer "Heiden" genannt, so daß die nichtjüdischen Christen auch in vielen Übersetzungen bei uns als "Heidenchristen" bezeichnet werden. Und um eine Gemeinde mit vielen dieser Heidenchristen, den nichtjüdischen Christen, geht es hier.
Sie freuten sich über diese Ermutigung. Das ist doch toll -- ich freue mich auch darüber, wenn die Predigt eine Ermutigung ist. Aber was war vorher das Problem? Gläubige aus Judäa kommen in die Gemeinde in Antiochia und sagen, daß alle Christen das Gesetz des Mose einhalten müssen und sich deswegen beschneiden lassen müssen. 1. Das Gesetz des Mose ist erst einmal alles das, was im alten Testament als Gesetze überliefert ist. Für die Juden ist dieses Gesetz von Mose die erste und einzige und umfassende Überlieferung, wie Gott sich das Leben gedacht hat. Gott hat in diesem Gesetz für fast alle Lebensbereiche deutlich gesagt: Mein liebes Volk, so sollt ihr leben und so nicht. Dies sollt ihr tun und dies andere nicht. Mit diesem Gesetz war klar, daß jeder vom Volk Israel, der die Gesetze einhält, wirklich angenommen ist von Gott und daß Gott ihn als einen gerechten Menschen ansieht. Und die Gesetze von Mose enthalten viele Sachen, die wir auch heutzutage als richtig und erstrebenswert ansehen: Die 10 Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht lügen usw. Vieles davon ist ja auch in diesem Land ein Gesetz und dient dazu, daß Ungerechtigkeit im großen und ganzen bekämpft wird. Wenn jemand ungerecht behandelt wird, dann dienen solche Gesetze dazu, daß man zu einem Gericht gehen kann, so daß dort Recht gesprochen wird und wieder Gerechtigkeit einkehrt. Genauso dienten auch im Volk Israel die Gesetze dazu, daß die Menschen untereinander gerecht gehandelt haben und daß die Schwächeren (Witwen, Flüchtlinge, Arbeitslose) nicht unterdrückt und ausgebeutet wurden. Darüber hinaus gibt es im Gesetz von Mose aber einige Regeln, die für uns heute eher seltsam, unsinnig oder unwichtig erscheinen. Zum Beispiel Speisevorschriften, so daß die Juden kein Schweinefleisch essen dürfen und so. Und auch die Beschneidung, daß nämlich jedes männliche Neugeborne ein paar Tage nach der Geburt beschnitten werden sollte, und wenn Erwachsene zum jüdischen Glauben übertreten, dann sollten die ebenfalls beschnitten werden. Aber für die Juden gehören alle diese Gesetze zusammen und es ist ihnen ein tiefstes Herzensanliegen, daß sie wirklich alle Gesetze befolgen und zwar so genau wie möglich. Dadurch, wissen die Juden, können sie Gott wohlgefallen, sie sind in Gottes Augen "gerecht" und Gott mag sie. Sie sind errettet, wenn sie diese Gesetze einhalten. 2. Jetzt sind in der Kirchengemeinde in Antiochia aber viele Nichtjuden gerade zum Glauben gekommen (also Heiden). Die haben einfach nur von Jesus gehört. Daß nämlich Jesus der Erlöser ist, daß er für die Menschen gestorben ist und auferstanden, und daß wir wenn wir an ihn glauben von unserer Schuld befreit werden. Daß nämlich Schuld und Sünde und Krankheit und Leid von Jesus auf das Kreuz genommen wurde und wir nun frei sein können davon. Daß wir nun umkehren können und das Leben von vorne anfangen können, frei von Schuld. Als öffentliches Zeichen dieser Umkehr haben die Frischbekehrten sich taufen lassen. Davon haben wir in den letzten Wochen auch gehört, und letzte Woche hatten wir ja auch eine Taufe an dem See in Mecklenburg. Das war fantastisch, weil es immer toll ist, wenn Menschen Jesus kennengelernt haben und nun bezeugen: Ja, Jesus ist mein Herr und mit ihm will ich leben. Die Christen in Antiochia haben eine Begegnung mit Gott erlebt, und diese Begegnung verändert ihr Leben. Und als sozusagen inneres Zeichen schenkt Gott uns und allen Christen seinen Heiligen Geist, also die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Dadurch wissen wir, daß wir zu Gott gehören, weil er in uns lebt. Wir können seine Stimme hören und mit ihm reden, und wir können mitten im Alltag das tun, was er möchte. Wie wir das in den letzten Wochen als Erfüllung mit dem Heiligen Geist hier auch gehört haben. 3. Aber nun kommt hier der Konflikt: Sind die Christen in Antiochia nun errettet durch Christus? Oder durch diese Regeln, also das Gesetz Mose, angefangen mit der Beschneidung? Sind wir errettet durch "Christus _und_ diese Regeln"? Wir kennen auch viele Regeln. Die zehn Gebote. Christliche Tradition. Alles das, was wir ein "gutes Christenleben" nennen würden. Also: Sind wir errettet durch Christus? Oder weil wir
Natürlich ist es sehr gut, täglich in der Bibel zu lesen, weil Gott durch die Bibel am deutlichsten zu uns spricht. Aber sind wir dadurch errettet? Oder sind wir errettet durch ethische Maßstäbe, die es ja auch in allen Religionen gibt, beim Islam, beim Buddhismus, beim kategorischen Imperativ der Humanisten? 4. NEIN. Wir sind nur durch Jesus und seine Gnade gerettet. Jesus, Jesus, Jesus, Jesus. Wenn wir uns wieder erneut irgendwelche Regeln auferlegen, ignorieren wir diese Gnade und sind durch diese auferlegten Regeln geradezu gebunden, versklavt, befinden uns in Gefangenschaft und Gebundenheit -- in Gefangenschaft der uns auferlegten Regeln. In Gefangenschaft des Gesetzes. Gal 5,1: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Die Errettung ist einzig und allein in der Gnade von Jesu Opfer zu finden. Jesus, Jesus, Jesus, Jesus. In Christus haben wir eine neue Existenz bekommen: die Freiheit! Wir dürfen nun zu Gott im Gebet sagen: Abba, Vater. Mein Papa, mein Vater. (Gal 4,6) Deswegen ist in Apg 15 die Entscheidung der Apostel eindeutig: Die Heidenchristen müssen _nicht_ die jüdischen Gesetze einhalten. Aber diese Freiheit bedeutet nun auch nicht eine absolute Ungebundenheit und Willkür. (Gal 5,13: Das bedeutet aber nicht, daß ihr jetzt tun und lassen könnt, was ihr wollt. Nehmt vielmehr in gegenseitiger Liebe Rücksicht aufeinander. / Sondern dient einander durch die Liebe.) Deshalb werden nun doch ein paar Regeln erwähnt: Sie sollen sich vom Götzendienst fernhalten -- ist klar, denn sie können nicht gleichzeitig Jesus und einem Götzen dienen. Ebenso Unzucht, also Sex außerhalb oder vor der Ehe -- das wird noch an vielen Stellen in der Bibel als nicht von Gott gewollt identifiziert. Nur stehen hier noch zwei komische Sachen dabei: Kein Fleisch von erstickten Tieren und kein Blut, also doch wieder Sachen aus den jüdischen Speisevorschriften. Das muß man sich halt so vorstellen, daß die Heidenchristen und die Judenchristen ja doch irgendwie in der gleichen Gemeinde miteinander leben wollen. Und wenn die dann zusammen essen wollen, dann sind so manche Dinge für die Judenchristen total unerträglich und andere Dinge wiederum können sie tolerieren. Deshalb gibt es hier diese Regel, an die sich die Gemeinde in Antiochia doch bitte halten möge, damit die Heiden- und Judenchristen eben auch beim gemeinsamen Picknick weiterhin zusammen essen können. 5. Aber die Errettung selber ist einzig und allein in der Gnade von Jesu Opfer zu finden. Jesus, Jesus, Jesus, Jesus. Darin sind wir alle gleich. Keiner ist auch nur irgendeinen Deut besser als der Andere; alle brauchen die Erlösung durch Jesus. Gal 3,28: Jetzt ist es nicht mehr wichtig, ob ihr Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, Männer oder Frauen seid: in Christus seid ihr alle eins. Der Mann darf sich seiner Männlichkeit nicht brüsten, die Frau braucht keine Minderwertigkeitsgefühle zu haben und umgekehrt. Sogar die gesellschaftlichen Normen verlieren ihre Bedeutung: Damals Sklaven und Freie, hier Reiche und Arme, gutsituierte Bürger und Junkies haben in Jesus ein neues Leben, eine neue Würde. Jesus ist der Einheitsnenner, der die so ungleichen Menschen in eine lebendige, frohmachende Gemeinschaft bringt. Nicht ob wir gewisse Gesetze halten, sondern ob wir Gemeinschaft mit Jesus haben, ist wichtig. Seine Liebe umfaßt uns alle. Was bleibt uns? Wir können diese Gnade nur annehmen. Das Gesetz bekommt dann eine andere, eine neue Funktion: Indem wir sehen, wie Gott sich ein Zusammenleben vorgestellt hat, erkennen wir, was gut und was falsch ist. Was Gott-gewollt ist und wo wir schuldig werden. Was jesusmäßig und was Sünde ist. Und wenn wir Schuld auf uns laden und sündigen -- was wir immer wieder tun werden, solange wir Menschen sind -- müssen wir das vor Jesus bekennen und seine Vergebung annehmen. Und dann können wir uns auch gegenseitig vergeben. Denn natürlich werden meine Geschwister hier in der Gemeinde auch Fehler machen. Das wird so sein, solange wir Menschen sind. Ich sündige: ich bin ungeduldig, herablassend, hab geklaut, hab gelogen. Da muß ich jedesmal wieder Buße tun. Buße tun heißt umkehren. Buße bedeutet eine Änderung des Sinnes. Und ich hab sexuell unmoralisch gelebt. Das ist nun mehrere Jahre her und weil Gott gnädig ist, konnte ich umkehren und mich ändern. Und genauso weiß jeder von uns, wo wir nicht gottgemäß handeln und deshalb seine Gnade brauchen. Gott vergibt uns durch Jesus. Und dann können wir uns gegenseitig vergeben und um Vergebung bitten. Wir können sogar unseren Leitern vergeben, die ebenfalls Fehler machen. Zusammenfassung: Gesetzlichkeit und Regeln für die Errettung führen uns erneut in Gebundenheit und Gefangenschaft. Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Wir leben aus der Gnade, weil Jesus uns angenommen hat. Jesus, Jesus, Jesus, Jesus. Amen. |