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Predigt vom Sonntag, 01.08.2004
Erik Wienecke zum Thema: 

Leben im Heiligen Geist

 

Es geht weiter heute mit unserer neuen Predigtreihe, die wir letzten Sonntag begonnen haben. Sie heißt „Apostelgeschichte und Gemeindebau heute“. Man kann das auch anders formulieren und sagen: „Welche Prinzipien aus dieser massiven Zeit des Handeln Gottes, von dem in der Apostelgeschichte berichtet wird – in der auch die Kirche entstanden ist, die Kirche, somit auch alle Gemeinden, die später daraus hervorgegangen sind – ist für uns heute bedeutungsvoll? Und wie können wir das in das integrieren, wie wir Gemeinde leben, in dem, wie wir versuchen, die Vineyard-Altona zu bauen? Damit werden wir sicher nicht alles abdecken, was man aus der Apostelgeschichte rausziehen kann, sonst könnten wir eine ein paar Jahre lang dauernde Predigtreihe daraus machen. Das wollen wir nicht tun. Aber wir haben uns ein paar Punkte überlegt, die wir für besonders wichtig, für besonders hervorhebenswert halten.

Die letzte Predigt hieß „Gottes Gegenwart“, gehalten von Christian letzten Sonntag. Das ist ein wichtiges Prinzip für uns, dass wir uns Gottes Gegenwart aussetzen und wir uns in seine Gegenwart begeben. Dass wir uns berühren lassen von ihm in seiner Gegenwart. Dass wir überhaupt daran glauben, dass Gottes Gegenwart uns nahe kommen kann. Und dass Gott eben nicht ein entfernter Gott ist, sondern er tatsächlich was bedeutet – hier und heute, am 01. August nach menschlicher Zeitrechnung, nach menschlich-westlicher Zeitrechnung muss man ja sogar sagen, und dass das einen Unterschied macht.

Wir haben gehört, wie Gott Paulus mit seiner Gegenwart begegnet ist und zwar sehr machtvoll. Das Leben von Paulus wurde auf den Kopf gestellt - Christian hat das sehr stark herausgearbeitet - und das wurde wirklich völlig umgekrempelt. Diese Begegnung mit Gottes Gegenwart hat solche Auswirkungen gehabt, dass Paulus nicht nur nicht mehr derselbe war, sondern dass eigentlich unsere gesamte Welt auf den Kopf gestellt wurde und sich in eine bestimmte Richtung entwickelt hat, sich die gesamten Religionen sozusagen erneuert haben und es auch möglich wurde, nicht nur für die Juden, Jesus kennen zu lernen, sondern für alle – für die Heiden, wie die Bibel das nennt, für alle Nichtjuden also – und das auch wir heutzutage, in Europa eine Beziehung mit Jesus leben können. Das hat die Begegnung mit Gottes Gegenwart ausgelöst.

Interessant ist dabei – und da möchte ich heute anknüpfen -  dass Gott es nicht nur bei dieser machtvollen Begegnung belässt, mit Paulus, sondern, dass da noch was dazu kommt.

Und diesen 2. Teil, der letztes Mal auch schon vorgelesen wurde, auf den möchte ich noch mal fokussieren und damit auch beginnen. Das ist in der Apostelgeschichte 9, ab Vers 10.

Und zwar lesen wir da von einem gewissen Hananias. Hananias ist jemand, der ein Leben im Heiligen Geist geführt hat. Und genau um dieses Leben im Heiligen Geist soll es heute gehen. Was bedeutet das? Was kann das sein? Wie kann das aussehen? Was sehen wir aus diesem Bericht, welche Prinzipien da sind, dass wir so im Heiligen Geist leben wie Hananias? Wenn ich sage, dass die ganze Welt von Paulus auf den Kopf gestellt wurde, hat Hananias sicher einen ziemlich gewaltigen Anteil daran. Zwar wird er nur einmal erwähnt und es gibt nur dieses eine Ereignis, und dennoch ist der Dienst von Hananias einfach unverzichtbar für das, was dann passiert. Ich lese ab Vers 10:

Was vorher passierte: Paulus ist auf dem Weg nach Damaskus, möchte die Christen verfolgen und Gott begegnet ihm, haut ihn vom Pferd und spricht zu ihm, sagt, dass er nach Damaskus gehen soll. Und Paulus ist blind. Paulus begibt sich nach Damaskus und ist schon eine gewisse Zeit da. Er hat sicher viel Zeit zum nachdenken, was da wohl passiert ist. Meine Vermutung ist, dass die Gegenwart Gottes allein noch nicht ausgereicht hat, sondern es hat wirklich diesen Dienst von Hananias gebraucht. Paulus ist also blind; Hananias, der Paulus bisher nur vom Hören-Sagen kannte, als jemand, der ihm ans Leder möchte, sitzt zuhause: „Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias und der Herr sprach zu ihm in einer Erscheinung. „Hananias.“ Er aber sprach: „Siehe, hier bin ich, Herr.“ Der Herr aber sprach zu ihm: „Steh auf und geh in die Straße, welche die Gerade genannt wird und frage im Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet. Und er hat in der Vision einen Mann mit Namen Hananias gesehen, der hereinkam und ihm die Hände auflegte, damit er wieder sehend werde. Hananias aber antwortet: „Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem getan hat. Und hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu binden, die deinen Namen anrufen.“ Der Herr aber sprach zu ihm: „ Geh hin, denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen, sowohl vor Nationen, als auch Könige und Söhne Israels. Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muss.“ Hananias aber ging hin und kam in das Haus. Und er legte ihm die Hände auf und sprach: „Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt. Jesus, der dir erschienen ist auf dem Weg, den du kamst, damit du wieder sehend und mit Heiligem Geist erfüllt werdest.“ Und sogleich fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er wurde sehend und stand auf und ließ sich taufen.“ Wow!

Was können wir also sehen daran, wenn ich sage, Hananias ist jemand, der im Heiligen Geist lebt. Ich habe verschiedene Punkte. Danach möchte ich noch durch 3 weitere Geschichten in der Apostelgeschichte gehen und einfach gucken: Was bedeutete das? Was hatte das für Auswirkungen? Mich hat das begeistert, als ich das ausgearbeitet habe, weil das eine unheimlich spannende Sache ist und ich hoffe, ich kann das so ein bisschen rüberbringen, damit auch ihr begeistert seid.

Also wir sehen: Hananias ist eigentlich permanent offen für das Reden Gottes. Das muss so sein, weil er sagt sofort: “Hier bin ich, Herr:“ Er sagt nicht erst: „Da war ein Donnern.“ Oder was weiß ich, was er hätte sagen können. Er weiß, worum es geht, er ist offen für das Reden Gottes und sagt: „ Herr, rede!“ Hananias tritt dann sogar in einen Dialog mit Gott, er sagt: „Gott, du musst mir das erklären, warum ich zu diesem Typen gehen soll, der mich wahrscheinlich abmurkst, wenn ich dahin gehe – oder zumindest die Vollmacht hat, mich abmurksen zu lassen. Bitte sag mir das!“

Es ist eigentlich so, wie Mose damals mit Gott gestritten und gesagt hat: „Ich möchte nicht dieser Auserwählte sein, der dein Volk aus Ägypten rausführt. Das ist mir zuviel. Das ist mir ne Nummer zu groß.“ Und eigentlich in der gleichen Weise tritt Hananias mit Gott in diesen Dialog.

Was wir auch sehen, ist, dass Hananias sich als Diener Gottes versteht und bereit ist, sich von Gott benutzen zu lassen, wie Gott es eben möchte. Nachdem Gott ihm das erklärt hat, geht er bereitwillig hin. Er ist gehorsam trotz der Gefahr, die auf ihn lauert.  Er vertraut auf Gott, dass er ihn beschützen wird und auf das Reden Gottes – dass das OK ist. Es wird nichts darüber berichtet, aber ich glaub nicht, dass Hananias das leicht gefallen ist. Das er gesagt hat: „Klar, wunderbar, dann gehe ich sehenden Auges in meine Hinrichtung. Das wollte ich schon immer mal – ist toll, für Jesus zu leiden und zu sterben.“ Dieser Dialog mit Gott lässt auf so ein inneres Ringen schließen: „Soll ich das machen? Soll ich dieses Risiko eingehen? Kann ich Gott an diesem Punkt vertrauen? Er entscheidet sich zu vertrauen. Und Hananias glaubt auch, dass Gott durch ihn übernatürliche Zeichen tun wird. Nicht nur, dass er beschützt wird, sondern dass Gott Paulus von dieser Blindheit heilen wird.

Das ist ja nun nicht gerade eines der kleineren Wunder – wie Kopfschmerzen, oder so – sondern wirklich jemanden von Blindheit zu heilen, für ihn zu beten, und das Risiko einzugehen, wie der Dumme dazustehen, falls Gott eben dann doch nicht wirkt. Hananias hat diesen Glauben und tut das dann auch. Und dieses ganze Handeln des Hananias führt dann schließlich dazu, dass Paulus den Schritt der Bekehrung wagt und sich taufen lässt – auf den Namen dieses Christus, den er verfolgt hat.

Interessant ist, die Begegnung findet nicht allein durch die Begegnung mit Gottes Gegenwart statt, sondern dadurch, dass jemand gehorsam ist, ihm die Dinge erklärt, für ihn betet –um Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Dann fällt es ihm wie Schuppen von den Augen, wie dieser Text sagt. Und ich denke mal, dieser Text meint es nicht nur physisch, körperlich, sondern auf einmal versteht Paulus, worum es Gott eigentlich die ganze Zeit ging. Auf einmal versteht Paulus, dass das, was er gemacht hat, Schwachsinn war und nicht im Sinne Gottes war. Was für eine Erkenntnis! Das muss ja auch niederschmetternd für Paulus gewesen sein. Auf einmal versteht er den Heilsplan Gottes, den dieser schon 700 Jahre zuvor das erste Mal bei Jesaja verheißen hat. Auf einmal setzt sich das Puzzle zusammen. Und Paulus versteht.

Was sehen wir noch an Hananias? Hananias hat diesen Wunsch, dass Menschen in einer lebendigen Beziehung zu Jesus leben.  Dass sie ein vom Heiligen Geist geprägtes Leben führen. Denn interessanterweise betet er für Paulus um Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Das hat Gott aber gar nicht als Auftrag gesagt – zumindest wird es nicht überliefert – aber für Hananias scheint das selbstverständlich zu sein. Ein Christ muss in der Kraft des Heiligen Geistes leben, anders war es scheinbar überhaupt nicht vorstellbar. Und das hat er dann eben getan.  Wir werden nächste Woche weiter über die Erfüllung mit dem Heiligen Geist sprechen – deswegen erstmal nur dieses abstrakte Wort.

Spannend ist auch, dass Gott das Handeln von Hananias bestätigt, dass er tatsächlich diese Zeichen und Wunder geschehen lässt, indem er tatsächlich Paulus so mächtig anrührt, dass das alles passieren kann.

Es gibt die Geschichte von Philippus – auch sehr spannend – wie er dem Kämmerer aus dem Morgenland begegnet, aus Äthiopien. Philippus – er gilt immer als der klassische Missionar, der in Samarien gewirkt hat, also der Teil, der nicht zu Judäa gehört hat – ist immer von Dorf zu Dorf gegangen und hat das Evangelium gepredigt. Wir lesen folgendes von diesem Philippus:

Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf den Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt. Der ist öde. Und er stand auf und ging hin. Und siehe ein Äthiopier, ein Kämmerer, ein Gewaltiger der Kandarke, der Königin der Äthiopier, der über ihren ganzen Schatz gesetzt war, war gekommen, um zu Jerusalem anzubeten. Und er war auf der Rückkehr und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Der Geist aber sprach zu Philippus: Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an. Philippus aber lief hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen und sprach: Verstehst du auch, was du liest?“ Die beiden unterhalten sich ein bisschen und der Äthiopier sagt: „Natürlich verstehe ich das nicht.“ Philippus hilft ihm dann, das zu verstehen. Ich lese weiter Vers 35: „Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dieser Schrift an und verkündigte ihm das Evangelium von Jesus. Als sie aber auf dem Weg fortzogen, kamen sie an ein Wasser und der Kämmerer spricht: „Siehe, da ist Wasser. Was hindert mich, getauft zu werden?“ Und er befahl, den Wagen anzuhalten, und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als auch der Kämmerer. Und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr, und er zog seinen Weg mit Freunden. Philippus aber fand zu Ashdod, und er zog hindurch und verkündigte das Evangelium allen Städten, bis er nach Cäsarea kam.“

Auch Philippus ist permanent offen für das Reden Gottes. Er lässt seinen gesamten Tagesablauf vom Heiligen Geist bestimmen. Er hört auf das, was Gott ihm sagt, und ist gehorsam, indem er einfach auf eine Straße geht, die öde ist. Ich kenne die geographischen Verhältnisse dort nicht ganz genau, stelle mir aber vor, dass es dort an der Fernstraße ein bisschen wüst ist. Und natürlich lässt sich da fragen: Was soll ich dort? Philippus aber lässt sich darauf ein und geht hin. Er vertraut darauf, dass Gottes Reden gut und richtig ist, dass es einen Zweck hat, selbst, wenn er diesen noch nicht kennt. Er geht in reinem Gehorsam. Genau wie Hananias versteht sich Philippus als reiner Diener Gottes, der sich von Gott benutzen lassen möchte, wie dieser es sich eben wünscht.

Philippus Wunsch ist es auch, Menschen zu einer lebendigen Beziehung mit Jesus zu führen. Auch dies wird deutlich. Er erklärt dem Kämmerer genau, worum es geht. Wie verhält es sich mit Gott? Und wie sind die Verheißungen in Jesus wahr geworden? Daran wird aber auch deutlich, dass Philippus die Offenbarung über Gottes Wort hatte. Er kennt die Schriften und gibt dieses Wissen weiter. Sein Wissen ist profund. Er gehört nicht zu denen, die sich nicht sicher sind, wie all das zu verstehen sei. Er hat Kenntnis von Gott, die er weitergeben kann. Auch für ihn ist wahrscheinlich dieses Puzzle mit Jesus so zusammengefügt worden, dass er in ihm den Messias erkannt hat: Endlich ist jemand da, der die Verheißungen Gottes erfüllt. Die Zeiten haben sich erfüllt.

Sein Handeln führt dazu, dass der Kämmerer sich bekehrt und gleich taufen lässt. Er ist voller Freude, begeistert und sagt: Wenn das so ist, warum soll ich dann noch warten. Ich muss sofort getauft werden. Hier ist Wasser! Komm, lass uns das machen. Weil Philippus gehorsam war, ist das passiert. Und zum ersten Mal kommt das Wort Gottes nach Afrika.

In den letzten beiden Versen, 39 und 40, sehen wir: Philippus lebt scheinbar so heftig im Heiligen Geist, dass er sogar physisch entrückt wird. Der Kämmerer sah ihn auf einmal nicht mehr – wahrscheinlich ähnlich bei Raumschiff Enterprise wird er rübergebeamt, und auf einmal ist er in Aschdod. Das liegt irgendwo im Gaza-Streifen, etwa 80 Kilometer von der Stelle entfernt, wo er den Kämmerer traf. Das war für die damalige Zeit mehr als eine Tagesreise entfernt.

Auch Philippus hat diese Offenheit. Er lebt im Heiligen Geist. Er lebt und er rechnet damit, dass Gott ständig eingreifen kann. Das gleiche sehen wir bei Petrus und Kornelius in Kapitel 10. Ich beziehe mich auf die Verse 9 bis 20, werde sie aber nicht extra vorlesen:

Petrus betet und empfängt eine Vision. Gott sagt ihm, er solle auch Unreines essen, was für ihn ein Affront ist. Gott sagt ihm: was ich als rein bezeichnet habe, dass darfst du nicht als unrein bezeichnet. Dieses Vision versteht Petrus nicht. Er weiß nicht, welche Bedeutung das für sein Alltagsleben haben kann. Während er noch darüber nachdenkt, spricht Gott erneut zu ihm und sagt: „Vor deiner Tür stehen Männer, die dich mitnehmen wollen zu einem römischen Hauptmann. Gehe ohne Bedenken mit ihnen.“ Petrus weiß noch gar nicht, worum es geht, folgt ihnen aber schließlich. Dieser Hauptmann Kornelius ist der nächste der Heiden, der sich bekehrt. Er ist ein Römer, und auch er kommt in das Reich Gottes, weil ein Christ gehorsam war.

Hier kommt noch der Aspekt hinzu, dass Petrus scheinbar regelmäßig betet und Gott sucht. Er ist, ebenso wie die anderen beiden eben genannten, permanent offen für das Reden Gottes – auch durch Bilder und Visionen. Petrus muss hier sein gesamtes Gottesbild, seine ganze Theologie revolutionieren lassen. Für ihn war es eigentlich nicht möglich, in das Haus eines Nichtjuden, eines Heiden zu gehen. Für ihn war es nicht vorstellbar, dass diese Heiden überhaupt in das Reich Gottes hineingerettet werden könnten. Das wird deutlich aus dem weiteren Textverlauf Kapitel 10 und 11. Dennoch ist Petrus bereit, sich von diesen revolutionären Gedanken leiten zu lassen, statt sie einfach beiseite zu schieben. Was dann passiert, überrascht Petrus. Während er nämlich beim Hauptmann ist und dem das Evangelium auseinandersetzt, fällt der Heilige Geist auf alle, ohne dass jemand dafür gebetet hat. Es wird offensichtlich, dass selbst Petrus das nicht für möglich gehalten hätte. So greift Gott souverän ein. Zosch! Sie fangen an, wie beim Pfingstfest in Sprachen zu beten. Petrus ist von den Socken. Wenn Gott solche Zeichen und Wunder tut, dann dürfen wir diesem Heiden auch die Taufe nicht verweigern, überlegt er.

Auch hier hat Gott wieder ein weiteres Puzzlestück hinzugefügt, damit Nichtjuden ihn überhaupt kennen lernen können. Die Errettung Gottes gilt nun für alle Menschen. Petrus versteht sich hier ebenfalls als gehorsamer Diener, der das tut, was Gott sagt, selbst, wenn er es nicht versteht.

Diese Offenbarung lenkt die Heilige Schrift und das ganze Handeln Gottes in neue Bahnen, - dadurch, dass hier jemand gehorsam ist und in der Kraft des Heiligen Geistes lebt.

Eine letzte Stelle habe ich noch: Apostelgeschichte 16. Paulus befindet sich auf Missionsreise.  Sie durchzogen aber Phrygien und das galatische Land, nachdem sie von dem Heiligen Geist verhindert worden waren, das Wort in Asien zu predigen. Als sie aber in die Nähe von Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen, und der Geist Jesu erlaubte es ihnen nicht. Als sie aber an Mysien vorübergezogen waren, gingen sie nach Troas hinab. Und es erschien dem Paulus in der Nacht ein Gesicht: Ein mazedonischer Mann stand da und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns. Als er aber das Gesicht gesehen hatte, suchten wir sogleich nach Mazedonien abzureisen, da wir schlossen, dass Gott uns gerufen habe, ihnen das Evangelium zu verkünden.

Auch hier ist die Missionsreise des Paulus von der Frage geprägt, was Gott möchte. Wo möchte Gott, dass ich hingehe? Ihr müsst euch das vorstellen: Die ganze Welt lag Paulus zu Füßen. Wo sollte er hingehen? Er betet und Gott sagt ihm: „Geh da hin“ Oder: „Geh dort bloß nicht hin.“ Rational ist das vielleicht nicht nachvollziehbar. Man könnte ja sagen, sie alle brauchen das Evangelium. Aber Paulus lässt Gott zu sich sprechen, unabhängig von den möglichen Konsequenzen. Er glaubt, dass das Handeln Gottes gut sein wird, egal, ob er es versteht oder nicht. Sein Handeln führt schließlich dazu, dass die ersten Gemeinden in Europa entstehen – zumindest das, was wir heute als Europa bezeichnen. Er geht das erste Mal über den Bosporus rüber. Sein Handeln ist die Grundlage für das Entstehen einer weltweiten Kirche - dafür, dass es überall auf der Welt Gemeinden gibt. Nachdem Petrus schon die theologische Grundlage gelegt hatte, und grundsätzlich klar war, dass auch Nichtjuden Zugang zum Reich Gottes haben sollten. Aber wenn Paulus sich hier nicht vom Heiligen Geist immer wieder zeigen gelassen hätte, was er tun sollte, dann hätten wir heute wahrscheinlich keine Gemeinden in Europa. (Na ja. Vielleicht hätte Gott jemand anderen gefunden. Aber es braucht Leute, die dafür offen sind und sein Reden zulassen.

Allerdings muss Gottes Handeln immer bestätigt werden, denn sonst könnte man sich genauso gut etwas ausdenken. Was hier im Anschluss in Philippi passiert, in Ephesus, in Beröa und Athen, sind kraftvolle Geschichten. Gott stellt sich dazu und wirkt weiter durch Zeichen und Wunder. Eigentlich ist diese zweite Phase, nachdem Paulus Asien verlässt, nach der Überlieferung sogar die kraftvollere. Es passieren mehr Zeichen und Wunder als im asischen Raum. Die Leute holen sich sogar die Schweißtücher von Paulus, um sie den Kranken aufzulegen, in der Hoffnung, diese würden geheilt. Ständig geschahen Heiligungen, wo er auch hingekommen ist. Auch Paulus Wunsch war es, allen Menschen das Evangelium zu predigen und es voran zu treiben – und neue Gemeinden zu gründen, sein spezieller Auftrag.

Diese vier Berichte geben einen guten Einblick darein, was es bedeutet, im Heiligen Geist zu leben. Es ist sehr deutlich, dass das Leben dieser vier sehr eng mit Gottes Willen verknüpft war und dass sie sich bereitwillig Gott hingegeben haben, so dass er durch sie in Kraft und Liebe übernatürlich wirken konnte.

Wie kann man das Ganze theologisch einordnen? Es stellt sich ja die Frage, ob nicht grundsätzlich alle Christen im Heiligen Geist leben, sobald sie Jesus annehmen. Peter Wagner hat einmal eine Unterscheidung gemacht, die ich ganz hilfreich finde, um zu verstehen, welche Dimensionen Gott für uns als Christen vorbereitet hat. Wagner unterscheidet vier Dimensionen von Glauben.

1.            Die erste Dimension ist der rettende Glaube. Der Heilige Geist bewirkt in uns, dass wir uns für ein Leben mit Jesus entscheiden. Klar. Da ist nichts Mystisches dran.

2.            Das zweite ist ein heiligender Glaube. Der Heilige Geist bewirkt in uns, dass wir uns von Gott verändern lassen und uns ihm hingeben. Wir merken, dass unser Leben nicht so bleiben kann, wenn wir mit Jesus leben, sondern muss Veränderung haben. Wir wachsen und bringen Früchte des Geistes.

3.            Dann gibt es einen „für möglich haltenden Glauben“: Der Heilige Geist bewirkt in uns, dass wir glauben, dass Gott Gebete machtvoll beantwortet. Wir setzen uns mutige Glaubensziele. Besonders in den Pfingstgemeinden ist das stark verbreitet. Da passieren kraftvolle Sachen.

4.            Letztlich gibt es das Leben im Heiligen Geist. Yonggi Cho nannte das „die 4. Dimension“. Das ist die Freisetzung eines Lebens in den Dimensionen des Reiches Gottes mit Zeichen und Wundern. Christen, die in dieser Dimension leben und handeln, sind verbunden mit der übernatürlichen Kraft Gottes, die dazu führt, dass menschliche Grenzen und Begrenzungen permanent gesprengt werden. Sie haben dem Handeln Satans etwas entgegenzusetzen und können dessen Pläne durchkreuzen.

Es ist diese ständige Verbundenheit mit dem, was Gott tun möchte, das er uns durch den Heiligen Geist gibt – so wie er es bei Paulus, Philippus, Petrus und Hananias deutlich gemacht hat. Offensichtlich haben die Jünger Jesu, die Apostel, in genau dieser Dimension gelebt. Sie haben nicht nur ab und zu mal Glaubensziele gesetzt, für die sie im Gebet eingetreten sind, sondern haben sich ständig in diese Gemeinschaft mit Gott begeben und damit gerechnet, dass Übernatürliches passiert, Zeichen und Wunder geschehen, dass Kraft freigesetzt wird – und Liebe. Dass Barmherzigkeit freigesetzt wird.

Für uns als Vineyard Altona ist das genau das, wovon wir träumen. Wir träumen davon, dass dieses Leben im Geist mehr und mehr freigesetzt wird. Das ist einer der Gründe, warum wir Gemeinde machen. Wir wollen seine Kraft unter uns wirken sehen, wie wir auch seine Liebe und Gnade erfahren haben, indem er uns zu sich gezogen hat. Wir wollen uns vom Geist Gottes leiten lassen und lernen, die Dinge in unserem eigenen Alltag geistlich einzuschätzen. Wir wollen geistlich bewerten und nicht bei der menschlichen Bewertung allein bleiben. Ich habe gar nichts dagegen, Dinge rational und menschlich zu bewerten. Aber es ist eben nicht alles. Wenn wir nicht in den Dimensionen des Heiligen Geistes leben, dann ist das zu kurz. Wir sind nicht mehr auf Gott geworfen.

Es geht darum, einfach zu fragen: Herr, wie siehst Du das? Wie kann ich diese Situation einschätzen? Was möchtest Du heute tun? Was soll ich tun, wenn ich heute ganz normal zur Arbeit gehe? Es wird Tage geben, wo Gott nichts tut. Aber es wird Tage geben, wo Gott machtvoll eingreift. Wir wünschen uns, dass unser Gemeindeleben davon geprägt ist, dass wir sehen, wie Menschen unter die Kraft Gottes kommen und verändert werden. Dass sie geheilt werden, befreit werden. Dass sie so befreit werden, selbst wenn sie vorher ziemlich krank waren, dass sie an andere genau diese Erfahrung weitergeben können. Dass damit das Reich Gottes hier auf den Straßen Altonas, in unserem gesamten sozialen Umfeld sichtbar wird. Damit es nicht nur hier drin passiert, sondern dort, wo wir jeden Tag hingehen: zur Arbeit, zur Uni, zur Schule, wo auch immer wir sind. Rechnen wir wieder damit, dass Gott eingreifen möchte. Dass er sein Reich sichtbar werden lassen möchte.

Das waren jetzt viele einzelne Punkte. Um das abzuschließen, möchte ich noch einmal kurz zusammenfassen, welche Punkte wichtig sind für ein Leben im Heiligen Geist.

·    Wir lassen Gott zu uns sprechen, ob dies nun angenehme oder unangenehme Konsequenzen für uns hat. Wir öffnen uns für Gottes Reden.

·    Wir glauben, dass Gott uns durch seinen Heiligen Geist tatsächlich Offenbarung schenkt. Das bedeutet, dass wir nicht glauben, dass unsere menschlichen Erklärungsmuster ausreichen, sondern dass wir Offenbarung von Gott brauchen. Er muss uns immer wieder helfen, Dinge einzuschätzen. Nicht damit wir dann unselbstständig werden und über nichts mehr nachdenken, sondern weil wir erkennen, dass unsere menschliche Begrenztheit da ist und wir sie nur durchbrechen können, wenn wir uns wirklich auf Gott werfen.

·    Dann vertrauen wir auf Gottes Führung. Er wird uns so leiten, dass wir getrost unser Leben von ihm gestalten lassen können.

·    Wir schauen nicht mehr danach, uns selbst zu verwirklichen, sondern sind darauf ausgerichtet, Gottes Willen zu suchen und zu tun. Wir stehen nicht mehr an erster Stelle, sondern Gott steht an erster Stelle in unserem Leben. Wir glauben, dass uns alles andere zuteil wird, so wie Gott das verheißen hat.

·    Wir vertrauen nicht in erster Linie (= nicht ausschließlich) auf unsere menschliche Interpretation der Dinge, die in unserem Leben und um uns herum geschehen, sondern suchen Gottes Perspektive.

·    Wir sind in allem, was wir tun, eng mit Gott verbunden. Jesus selbst hat dies mit den Worten beschrieben: „Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was er tut, das tut ebenso auch der Sohn.“ (Johannes 5,19) Zu wissen, was Gott möchte, was ich für Handlungen ausführen soll, und diese auch zu tun. Mich ständig im Austausch mit Gott zu bewegen, in dieser engen, tiefen Beziehung.

Je mehr wir darin leben, desto mehr nehmen wir Gottes Stimme wahr, desto mehr werden unsere Gedanken von seinen geprägt, desto mehr wird unser Wille mit Gottes Willen deckungsgleich. Das Leben im Geist ist sozusagen unser Empfänger für das, was Gott eigentlich ununterbrochen redet und wie er handeln möchte. Aber ganz oft sind wir einfach nicht offen dafür. Man kann sich das vorstellen wie Radio- und Fernsehwellen. Sie sind ständig um uns herum, aber ohne Empfangsgerät merken wir nicht einmal, dass sie da sind. Oder wenn das Empfangsgerät falsch eingestellt ist, kriegen wir davon auch nichts mit. Dieses Leben im Geist müssen wir genau so stärker an uns heran lassen. Wir müssen stärker da rein gehen, damit wir Gottes Reden stärker und genauer hören können. Damit wir eben in dieser vierten Dimension des Glaubens leben können. Sein Handeln, seine Zeichen und Wunder, in unserem Leben zuzulassen ist die Herausforderung.

Amen

 

  
 
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