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Predigt vom Sonntag, 06.06.2004
Erik Wienecke zum Thema: 

Gott ist Licht

 

Ich habe eine Predigt vorbereitet mit 14,67 Punkten. So viele Punkte habe ich mir ausgedacht, damit sich die Studierenden unter uns besonders wohl fühlen. Sie sollen sich so richtig heimisch fühlen – wie an der Uni, wo man immer einschläft. Also: Herzlich willkommen.

Ich habe mir gedacht, 14,67 Punkte sind deswegen gut, weil ich deutlich machen wollte, dass sich manche Punkte nicht so trennscharf definieren lassen, so dass wir sie nicht als vollständige Punkte bezeichnen könnten, aber… J Ich höre jetzt auf, OK.

Noch mal ein kurzer Rückblick: Worum ist es bisher bei den „Charaktereigenschaften Gottes“ gegangen? Wir haben bisher drei Predigten dazu gehört. Und zwar haben wir gehört, dass Gott barmherzig ist. Gott ist ein Gott, der Gnade vor Recht ergehen lässt und sich gegenüber uns Menschen erbarmt, obwohl wir ihm gegenüber eigentlich gar nichts vorzuweisen haben. Wir haben kein Recht auf die Barmherzigkeit Gottes. Er ist barmherzig zu uns, weil er uns liebt.

Dann der zweite Aspekt: Gott ist gerecht. Er ist ein Gott, der Ungerechtigkeit und Sünde eben nicht durchgehen lassen kann. Das klingt wie ein Widerspruch zu dem, was ich gerade gesagt habe, dass Gott barmherzig ist – dass er sich denen gegenüber erbarmt, die ihm gegenüber nichts vorzuweisen haben. Aber Gott hat diesen scheinbaren Widerspruch einfach dadurch aufgelöst, dass er uns Jesus geschenkt hat. Jesus ist für die Ungerechtigkeit und die Sünde der Welt gestorben und wieder auferstanden, damit wir vor Gott als gerecht dastehen, selbst wenn unsere Handlungen und unser Denken weiterhin nicht sonderlich gerecht sind.

Vor zwei Wochen, in unserem letzten Gottesdienst, haben wir gehört, dass unser Gott voller Eifer ist. Er ist eifersüchtig, ein Gott, der sich danach verzehrt, Beziehung mit uns zu leben. Und: den ersten Platz in unserem Leben einzunehmen, also in unserer Prioritätenliste unseres Leben ganz an erster Stelle zu stehen.

Heute kommen wir zu dem vierten Aspekt des Charakters Gottes: Gott ist Licht. Wenn man die anderen Eigenschaften noch einmal Revue passieren lässt, hört sich das nicht nach einer direkten Fortsetzung an. Bisher haben wir Gott mit Adjektiven beschrieben: barmherzig, gerecht, eifersüchtig. Unter diesen genannten Begriffen kann man sich meistens etwas vorstellen. Unter Licht kann man sich zwar auch etwas vorstellen, aber wahrscheinlich würde man es nicht in erster Linie benutzen, um eine Persönlichkeit, einen Charakter zu beschreiben. Es bleibt doch zunächst relativ abstrakt.

Aber Gott sagt, dass er Licht ist. Wir finden sowohl im Alten wie im Neuen Testament eine Fülle von Bibelstellen, in denen Gott sagt, er sei Licht. Was das bedeuten kann, dem möchte ich im Folgenden ein wenig auf den Grund gehen.

Gucken wir erst ein paar dieser Bibelstellen an. So heißt es in Jesaja 16, 19-20: „Bei Tag wird nicht mehr die Sonne dein Licht sein und um die Nacht zu erhellen, scheint dir nicht mehr der Mond. Sondern der Herr ist dein ewiges Licht, dein Gott, dein strahlender Glanz. Deine Sonne geht nicht mehr unter und dein Mond nimmt nicht mehr ab. Denn der Herr ist dein ewiges Licht. Zu Ende sind deine Tage der Trauer.“ Eine ganz ähnliche Stelle finden wir noch einmal in der Offenbarung, wo von dem Neuen Jerusalem geredet wird, also dem Ort, wo wir, die wir mit Jesus leben, mal mit Gott zusammen leben werden. Von diesem Ort wird genauso gesagt, es gibt da keine Sonne mehr und keinen Mond, sondern die Herrlichkeit Gottes verbreitet genügend Licht, so dass man andere Lichtquellen nicht mehr braucht. Dies sind beides Verheißungen, die auf die Zukunft gerichtet sind.

Welche Stellen belegen denn, dass Gott schon heute Licht ist? Die Bibel sagt ja immerhin, dass Gott derselbe ist, gestern, heute und in Ewigkeit. Im 1. Joh. 1,5 schreibt Johannes: „Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.

Es gibt noch andere Bibelstellen, auf die ich im Verlauf der Predigt noch eingehen werde, wo Gott sagt, dass er Licht ist. Aber als Beleg soll es uns erst einmal genügen. Aber Gott ist nicht nur Licht, sondern hat dieses Licht ebenso geschaffen wie die Finsternis. Wir lesen das im Schöpfungsbericht im 1. Mose 1, 3-5: „Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis. Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen. Ein erster Tag.“ Und in Jesaja 45, 7 lesen wir: „Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel. Ich bewirke das Heil und schaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt.“ Gott ist nicht nur Licht, sondern hat das Licht auch geschaffen.

Dann macht die Bibel ganz klar, dass Gott Licht ist für unser Leben. Er lässt uns Menschen an seinem Licht teilhaben. Gott lässt sein Angesicht leuchten über uns, wie es in dem Segen heißt, den Mose dem Volk Israel zuspricht. Wir benutzen diesen Segen auch manchmal am Ende unseres Gottesdienstes. Gott tut das, weil sein Licht ein Erweis seiner Güte und seines Erbarmens ist. Aber das wird nachher noch klarer. Dies sind zunächst nur die „theologischen Wahrheiten“, die ich hier verkünde.

Jesus ist Gottes Sohn, und ebenso wie der Vater ist auch Jesus Licht. In Johannes 1, 4-9 lesen wir über Jesus: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis. Und die Finsternis hat es nicht erfasst. Johannes kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ Jesus hat also das Licht Gottes, das Licht an sich, in die Welt gebracht. Und die Welt – wie auch Satan – konnten das Licht - Jesus, Gott - nicht überwältigen. In dieser Übersetzung steht: „Und die Finsternis hat das Licht nicht erfasst.“ Das ist eine sehr schwache Version von dem, was eigentlich im griechischen Urtext steht. Es heißt wirklich: „überwältigen“. Die Finsternis konnte die Welt nicht überwältigen. Jesus hat hier einen Sieg errungen. Die Finsternis hatte keine Macht mehr.

Da sind wir auch schon bei dem nächsten Punkt: Gott sagt zwar von sich selbst, dass er die Finsternis erschaffen hat, aber es ist keine Finsternis in Gott. Sie ist Gegensatz zu Gott. Was bedeutet das? Gott ist Licht und Satan ist Finsternis. Er ist der Gegenspieler Gottes. Und die Welt steht unter der Herrschaft Satans. Deswegen ist sie auch erst einmal Finsternis und kein Licht.

Was lässt sich aus diesen Aussagen ableiten? Wenn die Bibel davon redet, dass Gott Licht ist, ist dieses „Licht“ gemeint als Lichtquelle, der Ort, wo das Licht entsteht. Es geht nicht um den Lichtschein. Wenn die Bibel von Licht redet, meint sie den Herrschaftsbereich Gottes. Man kann auch sagen: das Reich Gottes. Da, wo Gott die Herrschaft hat, ist das Licht. Jesus wird als Licht der Welt bezeichnet, weil er auf den Vater hingewiesen hat, weil er Bahn gebrochen hat, weil er den Weg frei gemacht hat für das Licht, das Gott in jeden von uns legt. Er hat das getan, damit das Licht Gottes in jedem von uns persönlich aufleuchten kann. Dass die Finsternis verschwinden kann.

Jeder von uns hat schon diese beeindruckende Erfahrung gemacht: wenn man in einen stockfinsteren Raum geht und nur ein kleines Licht anmacht, ein Streichholz vielleicht oder ein kleines Nachtlicht, das gerade 2 oder 3 Watt hat, wird es auf einmal hell in diesem Raum. Licht breitet sich wahnsinnig stark aus, selbst, wenn es nur ein schwaches Licht ist. Das umgekehrt zu schaffen, ist sehr anstrengend.

Gestern haben wir Christof Richter besucht. Den kennen ja auch noch einige von euch. In deren Therapiezentrum gibt es einen Raum, den sie Suselraum nennen. Dort läuft beruhigende Musik. Ein Wasserbett steht dort, auf dem man ein wenig schwanken kann. Die Lichter sind stark gedimmt. Damit das funktioniert, musste man den Raum von dem Tageslicht abschirmen. Christof erzählte, dass es superaufwendig war, für die Fenster eine vernünftige Abdichtung zu bekommen. Natürlich funktionierte es schließlich, klar. Aber es war nicht einfach, gar kein Licht mehr von draußen hineinkommen zu lassen, damit diese Atmosphäre entstehen kann. Als er das sagte, dachte ich: Ja, so ist das. Es ist viel schwieriger, das Licht auszuschließen, als die Finsternis auszuschließen.

Jesus ist das Licht der Welt, der das göttliche Licht und das Reich Gottes zu uns Menschen bringt, damit die Menschen durch den Glauben an Jesus eben genau in die Welt des Lichts, in den Glauben eintreten können. Dadurch wird die Finsternis vertrieben, dass wir mit Jesus leben und Jesus Raum geben in unserem Leben.

Was ist dann dieses Licht in unserem Leben? Was ist Finsternis? Was bedeutet das überhaupt? Ein paar Punkte:

Licht ermöglicht Leben in Fülle. Licht und Leben wird gerade auch in den ersten Kapiteln des Johannes-Evangeliums, aber auch in den Briefen, immer gleich gesetzt. Es steht im unmittelbaren Zusammenhang. Jesus hat sogar gesagt: „Ich möchte, dass ihr Leben in Fülle habt.“ Nicht nur ein bisschen Leben, sondern ganz viel davon. Das Licht Gottes bringt Leben in Fülle. Ich verstehe darunter, mit meinem Körper, meiner Seele und meinem Geist, alles, was meine Persönlichkeit ausmacht, voll zu leben. Nicht nur, um es mir körperlich gut gehen zu lassen, materiell, sondern das, was Gott mir auch schenkt, wie Freude, Glück, Friede. Aber auch die andere Seite: Herausforderung, Spannung. Das in meinem Leben zu haben, ist Fülle. Immer sozusagen auf Messers Schneide entlang zu gehen. Zu wissen: ich bin in der Fülle. Manche Sachen sind vielleicht herausfordernd, aber ich weiß: Das ist Leben. Das ist cool. Da bewegt sich was. Ohne es niedermachen zu wollen: ich habe nicht mein Reihenhaus, meine Rente ist gesichert, jetzt wird mein Leben so weiter verlaufen und dann ist Schluss. Selbst, wenn ich das habe - was ja keine schlechten Dinge an sich sind -, weiß ich doch, Gott hat ein Leben in Fülle; er hat noch mehr.

Ich weiß nicht, ob er morgen zu mir auf der Straße sagt: „Bete für den, den du da drüben siehst.“ Oder: „Sag der Frau da drüben ein nettes Wort.“ Und ich denke: „Das schaffe ich nicht. Da bin ich zu schüchtern für. Hab Angst davor.“ Oder ich nehme die Herausforderung an und erlebe auf einmal, wie es mich selbst zufrieden macht, wie ich merke, wie ich in dem lebe, was ich eigentlich für richtig halte. Wie ich hundert Prozent da drin bin. Das ist das Leben in Fülle, das durch das Licht Christi erst ermöglicht wird. Denn erst durch diese Gemeinschaft mit Gott ist es uns möglich, diese unsere natürliche Begrenzung zu durchbrechen. Erst durch die Gemeinschaft mit dem Licht.

Licht gibt Orientierung und macht dunkle Wege hell. Jesus sagt in Johannes 8, 12: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umher gehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Nachfolge heißt hier, dem Raum zu geben und das zu tun, was Jesus sagt. Dann werden wir nicht in der Finsternis sein. Wir müssen nicht orientierungslos sein, sondern haben Gott, der vor uns her geht, der eine Leuchte vor uns auf dem Weg ist und uns leitet. Unser Leben verläuft nicht irgendwie, sondern wir gehen zielgerichtet in die Richtung, in der Fülle und im Willen Gottes.

Licht ist auch Offenheit; man könnte auch sagen: Öffentlichkeit. Die Bibel spricht häufiger davon, „im Licht zu leben“ oder „im Licht zu reden“. Heute würde man das vielleicht mit dem schicken neudeutschen Wort „Authentizität“ benennen – Echtheit. Das, was ich lebe, soll auch öffentlich sein können. Ich muss dafür gerade stehen können. Ich kann sagen: das ist gut, wenn das andere hören können. Ich muss mich nicht verstecken. Denn ich weiß, dass Gott in mir ist. Das Licht ist in mir – und das ist gut.

Da Gott Licht ist und Gott mit Sünde unvereinbar ist, heißt „im Licht leben“ auch: Gottes Willen zu suchen und zu tun. Das zu suchen, was Gott wohlgefällig ist. Das heißt nicht, ein Gesetz aufstellen, sondern zu sagen: ich möchte im Licht leben. Ich will das tun, was Gott wohlgefällig ist. Nicht, weil mich irgendjemand darauf verpflichtet, sondern weil ich Gott liebe, darum tue ich die Dinge.

In 1. Johannes 1, 6+7 lesen wir: „Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis leben, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde.“ Eine irre Zusage. Das heißt: selbst, wenn wir Dinge tun, die nicht wohlgefällig sind vor Gott, können wir trotzdem in diesem Licht bleiben, weil Jesus unsere Gerechtigkeit ist. Die Sünde an sich schmeißt uns noch nicht aus dem Licht raus. Erst wenn wir uns vom Licht entfernen, indem wir sagen: „Jesus, mit dir möchte ich nichts mehr zu tun haben. Ist mir doch egal, was du für richtig hältst. Ich weiß gar nicht, ob ich an dich glaube.“ Erst dann entfernen wir uns von Gott, jedoch nicht allein durch die Tatsache an sich, dass wir das tun, was Gott nicht wohlgefällig ist.

Jesus sagt in Matthäus 5,14 zu den Gläubigen, seinen Jüngern: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Das heißt also: Ihr seid die Träger dessen, was Gott tut. Ihr sollt bezeugen, was Gott tut. Ihr sollt es vorleben. Die Herrlichkeit Gottes. Die Freude Gottes. Den Frieden Gottes. Die Kraft Gottes. Die Liebe Gottes. Ich möchte dieses Licht in euch sein, damit ihr genau das vorleben könnt.

Ein letzter Aspekt: das Licht befreit uns von der Finsternis. Das heißt: wir brauchen nicht unter der Herrschaft der Welt zu leben oder unter der Herrschaft Satans, sondern wir können in der Herrschaft des Reiches Gottes leben, d.h. in einer ganz neuen Dimension. Die natürlichen Begrenzungen sind stellenweise aufgehoben. Es gibt immer wieder Punkte, wo sie nicht mehr da sind, weil Gott durch uns wirkt, uns anrührt und für uns ist. Er ist da. Wir brauche so Krankheit nicht einfach zu akzeptieren, sondern können Gott bitten, dass er sie fortnimmt. Wo Leute gebunden sind, brauchen wir das nicht zu akzeptieren, sondern können Gott bitten, dass er dort eingreift und Freisetzung schenkt. Das eröffnet eine ganz neue Welt, eine ganz neue Dimension. Das ist die Verheißung.

Ich habe ein paar Leute angesprochen, davon zu erzählen, wie Gott dieses Kraft bringende, dieses liebende und verändernde Licht gerade ganz aktuell in ihrem Leben war. Letztes Wochenende waren wir auf der großen Vineyard-Konferenz in Zürich. Gott ist uns da stark begegnet. Er hat viel getan und diese Grenzen verschoben. Er war Licht. Was das im Einzelnen bedeutet, möchte ich nun diese einzelnen Leute bitten zu erzählen.

 

Cornelia:
“Der ein oder andere weiß es ja: ich habe ziemlich lange ziemlich heftig Probleme mit Angst gehabt. Vor ein paar Jahren hatte ich tatsächlich die Situation, dass ich den ganzen Vormittag mit der Angst herumlief, vielleicht eine Herdplatte vergessen zu haben – ungeachtet der Tatsache, dass ich den Herd am Morgen überhaupt nicht an hatte. Irgendwie war alles ziemlich schrecklich. Gott hatte schon da, vor Jahren, ziemlich viel gemacht. Aber immer, wenn ich Stress hatte, oder mich in ungewohnter Umgebung befand, merkte ich immer noch, wie die Angst hochkam.

Schon am Freitag in Zürich hatte ich das Gefühl, mich ziemlich stark nach Gott zu sehnen. Aber ich fühlte mich wie jemand, der gern trinken möchte, der das Getränk auch sieht, aber nicht daran kommt. Es war so richtig ätzend. Und ich dachte: Na super. Und jetzt? Dann haben ein paar Leute für mich gebetet, dass ich quasi von Gott trinken kann. Beim Lobpreis am Samstagmorgen habe ich gemerkt, dass irgendetwas passiert, das ich aber noch nicht so richtig einordnen konnte. Am Samstagabend war dann Heilungsgottesdienst. Der Referent hatte sein Team dabei, und einige von ihnen standen auf, weil sie Eindrücke gehabt haben, für welche Krankheiten Gott Heilung schenken möchte. Da stand jemand auf und meinte: „Da ist ein Geist der Angst.“ Ich dachte nur: „Shit, das bin ich.“

Genau an dem Morgen hatte ich noch mal das Problem, dass ich die ganze Fahrt über und auch im Gottesdienst gedacht hatte: „Peace, Gott!“ Es war wieder genau so eine Situation. Ich bin also aufgestanden. Rundum ging es ziemlich ab. Leute schreien und heulen. Woran erkenne ich, dass ich das Ding los bin, fragte ich mich. Irgendwann ging ich dann nach vorn und fragte, ob jemand für mich betet. Ich wollte schon sicher sein, wenn ich schon so doof rumgestanden habe. Sie fangen also an zu beten und irgendwann fängt es auch bei mir an zu zucken. Ich denke: Aha, das ist ja interessant. Irgendwann liege ich auf dem Boden. Und auf einmal geht es echt ab. Mann, denke ich, meine Güte, wenn ich jetzt für mich beten müsste, ich hätte so einen Schiss! So also ist das, wenn man Dämonen hat. Super! Ich habe echt so gegröhlt. Anyway, sie waren zum Glück echt cool und haben gebetet und irgendwann war es auch weg.
Ich dachte dann: Wie ist es jetzt, wenn man nun keine Furcht mehr hat? Denn ich hatte ja mein ganzes Leben damit zugebracht. Naja, gut. Am nächsten Tag war Servant-Einsatz. Das ist etwas, wovor ich im Normalfall echt tierisch Angst habe. Wir sind also durch Zürich marschiert, und ich fühlte mich ganz leicht. Martin hat mir die Gummibärchen gegeben und ich habe sie fröhlich weitergereicht an die Passanten. Ist ja cool, habe ich gedacht. Ist ja gar nicht schlimm!

Oder am Abend: Wir hatten bei Leuten aus der Vineyard Zürich Unterkunft gefunden, was beeindruckend war, weil sie uns gar nicht kannten und uns trotzdem den Wohnungsschlüssel gegeben hatten, da sie selbst nicht da waren. Normalerweise bin ich in solchen Situationen extrem verspannt. Die Wohnung eines anderen. Bloß nichts kaputt machen. Martin ist da eine Vase mit einem Bambus runtergefallen. Das ist einer der Augenblicke, wo ich normalerweise echt aufschreie. Aber ich saß ganz ruhig am Küchentisch und meinte: Musst du wohl aufwischen. Ähm, stopp mal.

Oder abends: Ich saß eingekuschelt in eine Decke auf dem Sofa. Plötzlich hatte ich Lust auf etwas Süßes. Sie hatte ja gesagt, ich könne an den Schrank gehen. Als ich ihn aufmachte, fand ich ein paar Schokobonbons, über die ich mich tierisch gefreut habe. Und ich dachte: das ist ja unglaublich. Und zu Martin sagte ich: Ist dir das aufgefallen? Ich habe keine Angst. Ich bin nicht verspannt!

So viel zum Thema Gott und Licht.“

 

Manuela:

„Ihr habt ja schon gehört: es gab einen Heilungsgottesdienst. Ich habe so etwas das erste Mal mitgemacht. So viel vorne weg: mein Knie ist geheilt worden. Und zwar hatte ich 1999 einen Unfall gehabt. Ich bin Inliner gefahren und ein Auto hatte mir die Vorfahrt genommen. Hinter meiner Kniescheibe habe ich Knorpelverlust gehabt. Auf der Größe eines 10-Cent-Stücks fehlte der Knorpel, den sie mir bei einer Kniespiegelung rausgenommen haben, weil er völlig zersplittert war. Seitdem bin ich zwar noch mal wieder Inliner gefahren, aber ich habe immer Schmerzen gehabt. Mir wurde gesagt, ich könne nie Ski fahren. Dabei will ich so gern, unbedingt, mal Skifahren. Öfter, wenn diese Schmerzen auftauchten, habe ich Gott gebeten, das zu heilen. Aber die Schmerzen blieben.

Bei dem Heilungsgottesdienst dachte ich eigentlich, ich bräuchte keine Heilung. So schlimm war es ja nicht. Aber vorn waren die Leute, die die Eindrücke hatten, was Gott heilen möchte. Und da kam dann: „Linkes Knie, nach einem Unfall.“ Ich dachte: „Ups, das bin ja ich.“ Und bin aufgestanden. Sie sagten: „Wenn Heilung passiert, sollen sich die Leute, die Gelenkschmerzen haben, auch bewegen, damit sie das spüren.“ Aber wenn ich mich hier so ein bisschen bewege, dann spüre ich ja ohnehin nichts, weil die Belastung nicht so groß ist. Der Redner vorne sprach weiter: „Wenn ihr spürt, dass Gott irgendwie wirkt, dann hebt doch einfach eine Hand.“

Bei mir ist das so: wenn ich merke, dass der Heilige Geist da ist, spüre ich ein leichtes Kribbeln. Und da ich so ein leichtes Kribbeln in den Händen hatte, dachte ich: Na gut, Gott wirkt. Das fand ich auch toll, und hob meine Hand, weil der Redner gesagt hat, wir sollten das zur Ermutigung für andere tun, damit sie sehen, dass Gott wirklich wirkt.

Es war ganz interessant, dass Gott mal da mehr gewirkt hat, und mal an anderer Stelle im Raum. Bei mir passierte auch nicht gleich etwas. Der Redner sagte dann: „Wenn ihr so 80-100% wisst, dass Gott gewirkt hat, dann hebt doch beide Hände hoch und wedelt.“ Und auf einmal habe ich in meiner Kniescheibe so ein leichtes Kribbeln gespürt. Nur ein ganz leichtes, ganz zartes Kribbeln. Ups. Ich sagte mir: da war jetzt ein Kribbeln, und ich glaube jetzt einfach: Gott will mich heilen. Und da habe ich dann halt gewedelt. Naja.

Ich habe das dann auch abends in der Bahn erzählt: Gott hat mich geheilt. Aber so richtig glauben konnte ich das noch nicht, weil ich es ja auch noch prüfen musste. Die Schmerzen kommen ja auch nur bei extremer Belastung. Aber dann kam einmal eine Situation, wo ich ziemlich gerannt bin und da habe gedacht: So gerannt bist du schon lange nicht mehr. Du hast gar nicht damit gerechnet, dass du Schmerzen hast. Das war total cool. Ich hatte auch keine Schmerzen. Dann musste ich mal mit einem schweren Tramperrucksack laufen. Auch da keine Schmerzen. Heute war ich beim Sport. Auch keine Schmerzen. Beim Fahrradfahren keine Schmerzen. Beim Treppensteigen keine Schmerzen. Ich bin geheilt. So!“

 

Michaela:

„Ich war auch mit in Zürich. Das war ziemlich cool. Ich denke, dass Gott durch sein Licht in uns hinein leuchtet. Er kennt uns genau und sieht auch, was wir für Mangel haben und was er gern ausfüllen möchte. Und zweitens ist es auch wärmend. Also: Diese Heilung hat auch eine wärmende Wirkung.

Ich bin vom Typ her so ein Macher. Ich verlasse mich oft auf meine eigene Kraft und Gott zeigt halt oft, wir dürfen uns ruhig von ihm füllen lassen und darauf vertrauen, dass er wirkt. Leider komme ich dann meist zu spät, nämlich erst, wenn ich gar nicht mehr kann. Dann stöhne ich: „Gott, hilf mir mal. Ich kann nicht mehr.“

Auf diese Konferenz hatte ich eigentlich gar nicht so richtig Bock. Ich dachte, ich brauche eher Entspannung und rechnete damit, dass alles ziemlich anstrengend wird. Was habe ich mir da eingebrockt. Ich war schon ein wenig entmutigt. Als ich dann ankam, habe ich direkt schon bei der ersten Sitzung, als Gebet angeboten wurde, gemerkt, warum ich da war: Ich war total alle. Gott hat gesagt: „Ich möchte dich an diesem Wochenende neu auftanken. Ich will dir neue Kraft geben, weil ich genau weiß, was du brauchst; wo du Heilung brauchst und wo du innerlich Wärme brauchst.“ Das war mir so gar nicht bewusst. Ich merkte zwar, ich krieche schon auf dem Zahnfleisch, aber das war OK. Es ging ja irgendwie. Aber allein durch seine Gegenwart, durch seine liebevollen Worte der Ermutigung konnte ich mich im Lobpreis total öffnen und ihm begegnen. Ich konnte in vielen Bereichen seine Stimme hören. Wo ich entmutigt war, hat er Sachen hineingesprochen.

Eine Sache, von der ich erzählen kann: Zukunftsängste kennt ja bestimmt jeder. Ich studiere noch und will nächstes Jahr fertig werden. Bei mir ist dann die Frage: Was kommt danach? Oder überhaupt: Ich arbeite schon jetzt bei einem kleinen Fernsehsender und stelle mir die Frage, was mir Bestätigung gibt. Gott hat zu mir gesagt: „Hör mal, du bist Michaela. Du bist cool, so wie du bist. Du musst dich nicht über deinen Job bestätigen lassen.“ Das ist echt so eine Freisetzung zu wissen: Ich bin nicht das, was mein Job mir sagt. Ich bin nicht, was andere mir sagen. Ich bin so, wie Gott mich gemeint hat. Viele solche Wahrheiten, die Gott dann so spricht, wenn man sich auf ihn einlässt und sich seinem Wirken aussetzt.

Als wir am Dienstagabend zurückgekommen sind, habe ich gemerkt, wie sich in den letzten Tagen mein Denken verändert hat. Ich laufe durch die Stadt und lasse mich nicht mehr so schnell von Leuten nerven; in der Bahn, wo ich innerlich schnell von allem Möglichen angemacht war: irgendjemand guckt mich nur blöd an oder rempelt mich an. Da ist man dann schnell genervt. Ihr kennt das ja vielleicht auch. Aber dieses Wochenende war da einfach freisetzend und wohltuend. Das ist auch Gottes Licht.“

 

Es ist nicht so, dass das jetzt alles war, was bei den Leuten passiert ist, die mit in Zürich waren. Ich habe nur bewusst diese drei ausgewählt, um zumindest diese drei Aspekte zu haben: einmal „Gott setzt frei von Bindungen“, „Gott heilt“ und „Gott gibt Lebensperspektive“. All das ist Licht, auch wenn es manchmal nicht so greifbar ist. Ich denke, es ist genau so wie eine medizinisch bestätigte Heilung. Es ist so gut, das Licht zu haben und immer wieder zu sehen.

Von mir selbst kann ich sagen, dass ich Gott auf dieser Konferenz immer wieder begegnet bin. Die meisten von euch wissen ja, dass die letzten Monate in dieser Gemeinde nicht einfach waren. Ich war echt alle. Geistlich gesprochen ging ich auf dem Zahnfleisch und dachte: „Gott, du musst hier etwas tun, wenn es hier weiter gehen soll; wenn es mit mir hier weiter gehen soll.“ Gott war so treu. Bereits bei der ersten Veranstaltung ist er mir so stark begegnet und hat mich so stark ermutigt. Er hat auch diesen aufgestauten Schmerz der letzten Monate rausgenommen und neue Perspektive gegeben. Alles, was sich verwischt hatte, ist wieder klarer geworden und wieder da hingekommen, wie es Gott ursprünglich mal zu mir geredet hatte. Das ist so befreiend. Das ist wirklich Licht. Da ist keine Finsternis mehr. Mich persönlich macht es frei.

Abschließend die Frage: Wie kann das Licht in mein Leben kommen? Wie kann die Finsternis verschwinden? Ich denke, es ist deutlich geworden. Ich will es trotzdem noch einmal auf den Punkt bringen. Wer an Jesus glaubt, und sich von ihm aus der Macht der Sünde und der Macht Satans retten lässt, der ist ebenso ein Kind des Lichts, der gehört ebenso zum Licht, wie Gott zum Licht gehört. Das ist die Verheißung: zu Jesus zu kommen. Wenn du schon eine Beziehung zu Jesus hast, dann bist du bereits ein Kind des Lichts. Wenn du es nicht hast, und sagst, du willst dieses Licht in deinem Leben haben – das, wovon die da gerade erzählt haben, worum es in diesem Gottesdienst ging -, das möchte ich auch in meinem Leben haben, dann wag diesen Schritt und probier es aus, ob es wirklich war ist. Hier sitzen fünfzig Zeugnisse dessen, dass es tatsächlich so ist. Du kannst jeden hier ansprechen und mal nachfragen.

Gott ist Licht und macht unser Leben hell. Und wenn du schon in dieser Beziehung mit Jesus lebst, aber merkst diese Begrenzung, dass da doch immer noch Finsternis ist, dann gib dich Jesus ganz neu wieder hin oder lass für konkrete Sachen beten wie Cornelia gegen diese Angst beten lassen hat. Oder Manuela für die Heilung hat beten lassen. Oder wie Michaela und ich selbst auch diesen Durst nach einer neuen Perspektive hatten nach mehr von Gott. Das ist das Licht, das Jesus in die Welt gebracht hat. Das ist da. Wir brauchen nicht in der Finsternis leben. Wir können diese Finsternis leicht überwinden, indem wir uns Jesus zuwenden und das Licht aufleuchten lassen. Selbst, wenn wir denken: „Mensch, wir sind gerade mal so ein Nachtlicht oder ein Streichholz.“ Auch das überwindet die Finsternis. Gott wird uns zunehmend heller brennen lassen. Das ist die Verheißung. Und ich persönlich kann nur wirklich sagen: Das ist cool, mich von Gott immer wieder anstecken zu lassen. Sich hinein nehmen zu lassen in diese andere Dimension. Eine ganz andere Dimension, als wie sie hier in der Welt herrscht. Das heißt nicht, dass alles nur easy geht. Aber es heißt, dass ich Leben in Fülle habe. Dass ich auf dieses Messers Schneide lang laufe, herausgefordert von Gott. Von der Kraft Gottes. Von der Liebe Gottes. Das ist da! Und dazu möchte ich euch einfach ermutigen, dass ihr das in euer Leben hinein lasst oder mehr hinein lasst. Denn darum geht es im Christsein.

Amen.

 

  
 
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