
|
Das Paradox: Wir wollen die Wahrheit über uns wissen und wir wollen sie lieber doch nicht wissen… Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber die Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. (1. Johannesbrief 1,8+9) In der Lobpreiszeit vorhin hat mich beim Lied „Not be shaken“ die Zeile „When the nations crumble…“ sehr angesprochen: Wenn alle Nationen zusammenstürzen, das Wort Gottes bleibt bestehen. Auch deswegen stimmt dieser Vers. Und das ist eine gute Basis. Wir sind alle Sünder. Wir gehen alle vom gleichen Level aus und brauchen alle Vergebung. Gott sagt hier in seinem Wort: Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir mal kurz darüber nachdenken: Gibt es Bereiche in unserem Leben, von denen wir anderen Leuten nicht so gern erzählen würden? Was sind das für Bereiche, die wir gern verstecken und wo wir nicht so gern darüber reden, was uns beschäftigt? Was mir so spontan einfiel… Nicht, dass ich die alle habe. Denkt jetzt nichts Falsches von mir. Ein paar von ihnen habe ich vielleicht auch. Ich gebe es zu. · Lügen. Keiner von uns würde zugeben: „Ich lüge manchmal“. · Tratschen. „Weißt du, was der gemacht hat? “- „Mann, überleg mal…“ · Manchmal auch Schweigen. Etwas nicht aussprechen, nicht sagen. Halbwahrheiten · Lieblosigkeiten · Ignoranz · Bitterkeit · Etwas vortäuschen Und um auch etwas von mir persönlich zu erzählen: Ich arbeite in einer pharmazeutischen Firma, in einer kleinen Abteilung von neun Leuten. Eine von meinen Kolleginnen schneidet mich dermaßen, dass es schon nicht mehr lustig ist. Sie redet nicht mit mir und guckt mich nicht an. Ich kann euch nicht sagen, warum. Ich arbeite da erst seit neun Monaten. Aber ich kann euch kein Ereignis nennen, bei dem das angefangen hätte. Neulich bin ich mal nach Neugraben gefahren, als ein Prophet dort war. Das fand ich total spannend. Das wollte ich auch mal hören und erleben. Er hatte auch tatsächlich ein Wort für ein paar von uns. Mir sagte er: „Du musst nicht denken, du musst immer allen gefallen.“ Da dachte ich: „Der kann das überhaupt nicht wissen.“ Aber das ist genau der Punkt: Ich möchte, dass sie mich genauso nett und freundlich behandelt wie die anderen. Das ist auch so ein Bereich, von dem ich nicht jedem erzählen würde. Eigentlich bin ich ja immer so nett, dass alle immer sagen: „Das ist ja nett mit dir. Mit dir rede ich ja gern. Willst du nicht mal Kaffee trinken mit mir?“ Es ist ein Bereich, der eigentlich auch so ein bisschen unangenehm ist, wo ich eigentlich denke: Als Christ sollte ich da drüber stehen und meinen Wert nicht aus den Beziehungen zu anderen Leuten ziehen, sondern aus meiner Beziehung zu Gott. Natürlich gibt es auch Süchte - Arbeitssucht, Alkohol… -, die wir eigentlich eher versteckt halten. Dinge, die niemand weiß, gehe ich selten an. Dort versuche ich selten, dran zu arbeiten und Veränderung zu schaffen. Denn eigentlich geht es ja nur mich etwas an oder vielleicht meinen Partner oder meine beste Freundin. Aber so die Öffentlichkeit… da lasse ich manche Sachen lieber vor sich hin tröpfeln, weil es ja ein bisschen unangenehm sein könnte, daran zu gehen. Tatsache ist aber, dass dadurch meine Beziehung zu Gott gestört ist – im kleineren oder auch größeren Sinne. Auch die Beziehung zu meinen Mitmenschen bekommt ihren Knacks dabei weg. Denn ich habe ja einen Bereich, den ich versuche zurückzuhalten, möglichst nicht drüber zu reden und möglichst nicht angesprochen zu werden. Ich glaube tatsächlich, dass wir einen grundlegenden Widerspruch in jedem von unseren Leben haben, dass wir schon sagen: Ich möchte eigentlich wissen, wer ich bin. Ich will die Wahrheit über mich selber wissen. Aber wenn es unangenehm wird, da möchte ich lieber nur die schönen Sachen wissen und nicht das Ganze, das vielleicht Veränderung bedarf. Anders ausgedrückt: Ich will alles tun, was Gott mir sagt, aber manche Sachen mache ich dann lieber schneller. So hat Erik heute bei der Kollekte gesagt: „Fragt doch einfach Gott, was ihr geben sollt.“ Vielleicht warst du gerade vorher bei der Haspa, und hast Geld abgehoben, weil du es morgen früh jemandem zahlen musst. Und Gott würde dir sagen: Leg mal die 100 Euro rein. Dann würde ich sagen: „Nächstes Mal. Wenn jetzt in zwei Wochen das Gehalt kommt, dann würde ich es reinlegen…“. Wenn jetzt aber jemand sagt: „Du solltest im Sommer mal nach Hawaii fahren…“, würde ich ja ein bisschen schneller darauf reagieren und sagen: „Ja, das Geld könnte ich sparen. Und wenn Gott das schon sagt, dann mache ich das vielleicht.“ Wo kann ich denn Wahrheit über mich erfahren. Wo kann ich herausfinden, was in mir selber abgeht? Natürlich im Wort Gottes. Wenn ich lese, da sind eindeutige Listen in verschiedenen Kapiteln und Versen, in denen drin steht, was nicht gut ist und was die Früchte des Geistes sind - Freundlichkeit, Sanftmütigkeit… -, dann kann ich schon selber raus finden, wie viel Raum das in meinem Leben einnimmt. Oder wenn Gott manchmal selber persönlich zu uns redet, durch sein Wort oder durch andere. Aber worauf ich heute hinaus will, ist, dass ich ganz viel über mich herausfinden kann, wenn ich Gemeinschaft, in Umgang mit anderen Freunden, Eltern, Geschwistern, Partnern bin. Ich denke, da könnt ihr mir zustimmen, dass wir alle Schwachstellen haben, eine gewisse Blindheit über uns selber. Ich habe mich gefragt: Wann habe ich das letzte Mal jemanden konkret gebeten, mir die Wahrheit über mich zu sagen? Konkret hinzugehen und zu bitten: „Kannst du mir mal konkret sagen, was dich an meinem Verhalten, Reden und Benehmen irritiert?“ Habe ich nicht Angst vor dem Ergebnis? Wenn ich etwas ganz Schlimmes sagen würde: „So wie du immer aufbraust, wenn ich dich um irgendetwas bitte.“ Das ist dann nicht so schön zu hören. Da muss ich ja vielleicht etwas dran ändern. In solchen Situationen mag ich die Wahrheit vielleicht einfach nicht hören, nicht aushalten. Dietrich Bonhoeffer hat einmal einen wie ich finde ziemlich schwer verständlichen Satz geschrieben. Aber er passt so gut. „Wer selbst in Empfindlichkeit und Eitelkeit das ernste, brüderliche Wort ablehnt, der kann auch dem anderen nicht in Demut die Wahrheit sagen, weil er die Ablehnung fürchtet und sich dadurch wieder selbst verletzt fühlt. Der Empfindliche wird zum Schmeichler und damit alsbald zum Verachter und Verleumder seines Bruders.“ Das finde ich ganz schön tief, aber auch wahr. Wenn ich selber nicht ansprechen lasse, dann kann ich auch anderen nicht sagen: „Das und das ist nicht richtig.“ Denn wenn der aufbrausend reagiert, fühle ich mich selbst wieder abgelehnt. Und dann bleibe ich halt schön seicht und sage nur die Sachen, die nicht so ganz arge Reaktionen bewirken. Ich glaube aber, dass jeder von uns Menschen braucht, die die Wahrheit ansprechen und uns helfen, die Realität anzunehmen und uns weiterhelfen, dass wir selber in unseren Werten, Verpflichtungen und Zielen dran bleiben. Aber was sind denn meine Ziele und Werte? Kann ich das überhaupt benennen? Das wäre schon ein guter Gedanke, zu überlegen, worauf ich eigentlich hin will. Was ist mein Ziel? Dann kann ich auch besser den Weg verfolgen, wenn ich weiß, wo ich hin will. Nur nebenbei wird sich das nicht erfüllen. Meine Beziehung zu Gott vertieft sich ja auch nicht einfach so, weil ich schon zehn, zwanzig, dreißig Jahre Christ bin. Ich glaube, dass wir Verbindlichkeit brauchen und dass wir die eher bekommen, wenn wir es aussprechen oder aufschreiben, also etwas in der Hand haben, um es abzuchequen. Ich habe überlegt: Wie würde ich das denn umsetzen? Wie würde ich denn mehr über mich herausfinden? Wenn jemand fragt: „Wie läuft denn das. Du hast dir das und das Ziel gesetzt. Funktioniert das so, wie du lebst? Musst du was verändern? Hast du vielleicht mit Sünde oder Verführungen zu kämpfen?“ Wenn Sachen da sind, die wir einfach nicht unter die Füße kriegen, hole ich mir dann Hilfe? Dann finde ich das Wort, das immer wahr ist, genial. Da steht: Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Ich glaube wirklich, dass Gott uns hier in die Welt gesetzt hat zwischen all die anderen Menschen, damit die uns helfen, unsere Absichten, Wertmaßstäbe und Ziele zu verfolgen. Bergsteiger, die am Seil die Felsen hochklettern, haben meist mindestens eine zweite Person bei sich, die sie absichert. Ich bin zwar noch nie berggestiegen, aber so in etwa ist es doch in der Schweiz. Sie haben ihre Seile und verhindern so, dass einer von ihnen abstürzt. Oder Fußballer. Die haben ihre Trainer, einen Coach, der das Spiel beobachtet und nach dem Spiel oder schon während der Halbzeit Hinweise gibt, was verkehrt läuft und wo die Taktik geändert werden muss. Ich habe auch an die Anonymen Alkoholiker gedacht, die sich regelmäßig treffen und ganz offen darüber sprechen, wo sie ihre Schwierigkeiten haben und wo sie versucht sind. Oder die Weight Watchers, auch die treffen sich regelmäßig und berichten, wie es ihnen ging, und wie viel Schokolade sie nicht gegessen haben. Oder so. Ich glaube, dass ein Leben in völliger Hingabe an die Wahrheit, wie ich es mir wünsche, auch bedeutet, mich von anderen immer wieder herausfordern zu lassen. Die Bereitschaft, mich herausfordern zu lassen, muss von mir ausgehen, damit ich mich verändern lassen kann. Das haben wir alle schon erlebt, dass, wenn wir an bestimmten Punkten mit einer Versuchung nicht weiter kommen, dort anfällig sind für Täuschungen. Wir denken dann leicht, es zumindest ein bisschen geschafft zu haben. Es geht ja schon ein bisschen besser. Vor zwei Jahren bin ich vielleicht noch viel aufbrausender gewesen. Ich habe ein cooles Beispiel, eine ganz tolle kleine Geschichte aus einer meiner Lieblingszeitschriften mitgebracht. Meine Mutter schenkt mir jedes Jahr ein Abonnement der Zeitschrift „Aufatmen“, die ich nur empfehlen kann. Dort fand ich eine kleine Geschichte, die ich kurz vorlese: Der Autor Gary Richmond arbeitete einmal in einem Zoo, der eine vier Meter lange Königskobra besaß. Ihre Giftdrüsen enthielten genügend Gift, um tausend Erwachsene zu töten. Die Kobra hatte eine Narbe. Und das bedeutete, dass sich die Kopfhaut beim Häuten nicht von selbst löste. Die Haut musste von Hand entfernt werden. Und leider haben Schlangen keine Hände. Um dies also per Hand zu machen, war ein aus fünf Personen bestehendes Team nötig. (Ich weiß leider nicht genau, wie oft sich Schlangen häuten. Aber schon einmal im Jahr wäre oft genug bei so einer Königskobra.) Zwei Zoowärter, der Zoodirektor, ein Tierarzt – und Gary. Die Kobra glitt aus ihrer Höhle, spreizte ihren Kopf und suchte sich ihr erstes Opfer aus. Schweißbäche tropften von allen Stirnen – außer von der der Schlange. Der Tierarzt bat Gary, Papiertaschentücher zu zerknüllen und der Kobra ins Maul zu stopfen. Die Kobra biss und kaute, bis die Papiertaschentücher vor lauter Gift gelb waren und tropften. Die Hände des Zoodirektors schwitzten und seine Muskelkraft ließ nach. Seine Finger verkrampften sich allmählich. Er war sich nicht sicher, ob sie sich schnell genug bewegen konnten, wenn es Zeit war, die Schlange wieder frei zu lassen. Das sei nämlich das Geheimnis der Schlange: es werden mehr Menschen gebissen, wenn sie die Schlange loslassen, als wenn sie sie packen. Wie das ausgegangen ist, steht hier nicht. Aber ich glaube, Gary Richmond lebt noch. Am wichtigsten ist mir dieser letzte Satz: „Es werden mehr Menschen gebissen, wenn sie die Schlange loslassen, als wenn sie sie packen“ heißt: leicht zu packen – schwer los zu lassen. Und das gilt auch für Sünde. Das gilt für alles, was den Charakter des Menschen und damit Beziehungen zerstört. Es ist leicht, in irgendetwas hineinzurutschen. Ich denke, das hat jeder von uns schon erlebt. Aber es ist schwer, es wieder loszuwerden. Ich nenne nur ein paar Punkte: Betrug, Bitterkeit, Pornographie, Habgier, Schuld, Neid. Eigenschaften, die uns nicht an der Nasenspitze abzulesen sind. Wenn wir also sagen, Sünden sind wie Schlangen, die uns schnell schwächen, warum denken wir dann eigentlich, dass wir die Schlange allein bändigen können? Ganz am Anfang, im ersten Buch Mose, war ja auch bereits eine Schlange. Und Eva, die ja leider zuerst mit der Schlange in Verbindung kam, hat gedacht, sie packt das allein. Sie hat weder Adam gefragt, geschweige denn Gott. Vielleicht wäre sonst alles anders ausgegangen. Auch König David hat seine Schlange allein gepackt. Ich möchte euch diese biblische Geschichte erzählen, weil es zu lang dauern würde, sie vorzulesen. David blieb in einer Zeit, als viele Kriege geführt wurden, zu Hause. Sein Heer schickte er los. Als er am kühlen Abend auf seinem Dachgarten spazieren ging, sah er auf dem Nachbardach eine wunderschöne Frau sich waschen. Was machte er als König? Er hat sie zu sich gerufen und sie verführt. Er hat mir ihr geschlafen und sie wurde schwanger. David versuchte das zu vertuschen, indem er den Ehemann Uria aus dem Krieg zurückkommen ließ. Er fragte Uria: „Wie steht es denn um die Truppen? Wie sind die Chancen und wie weit sind die Städte erobert?“ Er bittet, ihn am nächsten Tag erneut aufzusuchen und sich in der Nacht erst einmal auszuruhen. Er rechnet jedoch nicht damit, dass Uria ein gestandener Kriegsmann ist, der sagt: „Ich gehe doch nicht zu meiner Frau nach Hause und mache mir einen schönen Abend, während meine ganzen Kollegen da draußen sind und um Leib und Leben kämpfen.“ Also legt er sich nur draußen vor das Tor und schläft dort. Dies wird David berichtet, der schon ein wenig sauer wird. Die Idee war gut. Hätte Uria bei seiner Frau geschlafen, hätte man immer noch behaupten können, das Kind sei von ihm. (Zumindest habe ich mir gedacht, dass das bestimmt seine Motivation war.) Er versucht es noch einmal und holt Uria zu sich nach Hause, gibt ihm sogar Alkohol und macht ihn ein bisschen betrunken. Aber Uria bleibt trotzdem seinen Kollegen treu und schläft wieder draußen vor dem Tor. Ihr könnt es gern in 2. Samuel 11 nachlesen. Um es kurz zu machen: David lässt ihn umbringen. Er schickt ihn richtig hinterhältig mit einem Brief zu dessen Anführer, der noch draußen im Feld ist. Darin steht: „Kämpfe weiter und stell Uria in die erste Frontlinie, damit dieser möglichst nicht mit dem Leben davon kommt.“ Der macht es auch so. Uria fällt und sofort wird König David davon berichtet. Bathseba, die von all dem nichts mitbekommen hat, trauert. David lässt ihr auch die Trauerzeit, holt sie dann aber zu sich und heiratet sie. Dann gebiert sie einen Sohn. Man denkt: Ist ja nett von ihm. Zwar hat er den Mann umgebracht, aber er hat sie zu sich genommen und jetzt hat sie einen neuen Mann, ein Kind. Alles gut. Aber David hat diesmal nicht mit Gott gerechnet. Im 2. Samuel 11, 27; 12,1 steht: Aber dem Herrn missfiel die Tat, die David getan hatte. Und der Herr sandte Nathan zu David. Nathan war damals ein Prophet Gottes, und der geht zu David hin und erzählt ihm einfach eine Geschichte. „Hör mal, David. Stell dir vor, zwei Männer sind da, ein Reicher, ein Armer. Der Reiche hat ganz viele Schafe und Rinder, und der andere hat ein kleines Schäflein, das auch bei dem mit am Tisch sitzen darf. Er kümmert sich ganz liebevoll um dieses kleine Schäflein. Dann hat der reiche Mann einen Gast bekommen und wollte aber kein Tier aus einer seiner Herden nehmen, sondern nimmt das einzige Kleine von seinem armen Nachbarn.“ David hört die Geschichte und sagt: „Das ist ein Mann des Todes. Das muss der bezahlen. Das gibt es doch nicht, dass der von seinen ganzen Tieren nicht mal eines nehmen mag, sondern es von dem anderen Mann wegnimmt!“ Und Nathan sagt zu ihm: „Du bist es!“ Nathan gibt Gottes Wort weiter. Er sagt ihm noch einiges mehr, was auf ihn zukommen wird. Genialerweise bekennt sich David schuldig. Wenn er sich nämlich nicht schuldig bekannt hätte, wäre er sofort gestorben. Gott hätte ihn getötet. Dass er sich schuldig bekannt hat, hat sein Leben gerettet, aber ihm wird von Nathan gesagt, dass sein Sohn sterben muss. Diesem Sohn ging es bis dahin gut. Aber er wird krank werden und es wird Unheil über Davids Haus kommen. In den nachfolgenden Kapiteln ist nachzulesen, was dann tatsächlich alles so eintritt. Dann steht da nur: Nathan ging Heim. Heute morgen noch habe ich gedacht: David hat sich ja in Sicherheit gewogen. Neun Monate waren vergangen. Keiner hat ihn angesprochen. Er hat alles schön hingekriegt. Bathseba war bei ihm zu Hause. Das Kind ist geboren. Wie reagieren wir, wenn wir auf etwas angesprochen werden, das schon lange zurückliegt? Es hätte ja auch völlig anders ausgehen können. David hätte ja auch sagen können: Den Uria habe ich umgelegt. Das könnte ich mit Nathan auch machen. Das ist der einzige, der davon weiß. Gott hat ja nur zu ihm gesprochen. Dann hätte ich den ja auch umbringen können. So etwas hatte Nathan sich bestimmt auch überlegt. Aber Nathan hat es geschafft, einen Zugang zu Davids Herz zu bekommen. Was ich an Nathans Art gemerkt habe: er hat es nicht mit hocherhobenem Zeigefinger gesagt: Weißt du, Gott hat mir gesagt, dass du jemanden umgebracht hast usw., sondern er hat ihm das liebevoll mit einer kleinen Geschichte von einem reichen und einem armen Mann beigebracht. Irgendwie kommt da rüber, dass in dem Propheten Liebe war und nicht das Gefühl, er müsste ihm jetzt etwas heimzahlen - „Gott hat mir gesagt, ich muss es ihm sagen“ -, sondern er hat ihn einfach freundlich darauf hingewiesen. Und damit gerechnet, dass Gott da Veränderung bewirkt. Was kostet es eigentlich, die Wahrheit auszusprechen? Und warum geschieht es so selten? Warum sehen wir Leute in Schwierigkeiten laufen, die wir vielleicht selber durchlebt haben, trauen uns aber nicht, etwas zu sagen? Weil es Mut kostet? Weil es Zeit kostet? Weil es Energie kostet? Und weil wir viele Folgen überhaupt nicht abschätzen können? Wie viel Kampf entsteht? Wie viel Verärgerung? Wie viele Diskussionen? Und irgendwie denke ich dann doch an authentische Gemeinschaft, wenn wir von Herz zu Herz reden können und wissen, wir wollen das Gute in uns. Es geht ja nicht darum, jemanden fertig zu machen, sondern einfach darum, ihm zu helfen, ihn vor irgendetwas zu bewahren. Das ist doch erstrebenswerter, als so eine permanente Oberflächlichkeit. Immer freundlich und liebevoll, mit einem Lächeln und so… Ich glaube wirklich, dass Nathan David so geliebt hat, dass er bereit war, sein Leben zu riskieren. Nathan hätte natürlich auch sagen können: „Gott, schicke bitte jemand anderen. Das ist mir ein bisschen zu heiß. Mord ist ja immerhin ein etwas schwierigeres Teil, das ich da weitergeben muss.“ Oder „Mensch, das liegt doch jetzt alles hinter ihm. Beim nächsten Mal sag ich ihm dann was, wenn du mich noch einmal hinschickst.“ Hätte nicht David unendlich weiter gemacht? Hätte er bei der nächsten Frau nicht vielleicht genau das gleiche noch einmal gemacht? Ich glaube, dass auch wir dazu neigen, manchmal abzudriften und bestimmte Dinge dann für selbstverständlich zu nehmen. David, ein Mann nach Gottes Herzen, so wie er in der Bibel beschrieben wird, mit all den Psalmen, die er geschrieben hat, hat es bestimmt nicht darauf angelegt, Mörder und Ehebrecher zu werden. Und auch ich will kein Leben im Chaos, - ich denke, ihr auch nicht. Wenn sich eins zum anderen fügt, senkt das die Schwelle immer niedriger und viel zu schnell befinde ich mich in einem verstrickten System. Irgendwie denke ich: Keiner von uns geht vor den Traualtar, und hat schon im Hinterkopf, sich in ein paar Jahren scheiden zu lassen. Kein Mann wird Vater und plant dabei, keine Zeit für seine Familie mehr zu haben. Keiner trinkt abends ein Glas Wein mit dem Plan, Alkoholiker zu werden. Und doch passiert so etwas jeden Tag. Vielleicht nicht in unserem direkten Umfeld, aber doch haben all diese kleinen Katastrophen ja an irgendeinem Punkt angefangen. Und vielleicht passiert so etwas manchmal, weil wir niemandem das Recht eingeräumt haben, uns zu konfrontieren, die Wahrheit zu sagen und einmal herauszufordern. Wir denken, wir kommen mit der Schlange allein klar. Bin ich bereit, Korrektur anzunehmen? Bin ich bereit, Korrekturen nur von bestimmten Leuten anzunehmen? Oder die Ohren einfach aufzuhalten? Weiß ich, was Gott mir durch diese Kollegin zeigen möchte? Bin ich bereit, Korrektur zu geben? Bin ich bereit, Dinge, die ich sehe und die mir so bekannt vorkommen, anzusprechen? Ihr etwas von mir zu erzählen und sie zu fragen, ob sie vielleicht an einem bestimmten Punkt eine falsche Entscheidung gefällt hat? Könnte es vielleicht sein, dass… Ich habe den Wunsch für mich und für jeden von uns, dass wir uns von Gott zeigen lassen und ihm die Erlaubnis geben, uns Leute in den Weg zu stellen, egal ob es mein Freund, Partner oder Arbeitskollege ist, der mir angenehme oder auch weniger angenehme Dinge sagt. Vielleicht können sie uns einfach Tipps geben, wie wir leichter darauf zugehen können. In anderen Bereichen, wo wir eigentlich eher etwas wegschweigen möchten, zu sagen: „Gott, ich brauche da Hilfe. Lass mich mit offenen Ohren durch die Welt gehen und hören, wenn jemand mich da anspricht und mir einen Hint gibt. Auf dass ich nicht gleich sage: Quatsch, ich doch nicht.“ Manchmal denke ich, es wäre doch cool, wenigstens eine Person zu haben, die regelmäßig weiß, wie es mir geht; die ein wenig Abstand hat und nicht so ganz dicht an mir dran ist. Ich habe dann darum gebetet, dass Gott mir eine Person zeigen möge. Mir fiel echt keiner ein. Bei einer Freundin, die ganz weit weg wohnt, muss ich immer erst hinfahren, was ziemlich zeitaufwendig ist usw. Darüber habe ich mit einer Kollegin aus der Gemeinde in Bergedorf geredet. Und die sagte: „Überleg doch, wie Gott dir einfach ganz viele Leute in den Weg stellt. Ganz viele Leute, mit denen du Kontakt hast, die dir Input geben und dir etwas zu dir sagen. Nimm das für voll. Nimm das ernst und denke darüber nach und lass dich verändern.“ Das wollte ich weitergeben. Ich glaube, dass Gott auf jeden Fall möchte, dass wir uns verändern. Wie schon im 1. Johannesbrief steht, sind wir alle Sünder und kämpfen an verschiedenen Ecken. Ich wünsche mir, dass wir ermutigt werden, uns auch von Mitmenschen, egal ob das Nette oder nicht so Nette sind, ansprechen, anpieksen und Veränderungen anstoßen zu lassen. Amen |