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Was bedeutet das eigentlich, wenn wir von Intimität reden? Wir leben mit jemandem intim zusammen, innig zusammen, eng zusammen, ganz nah. Das bedeutet dann immer, den anderen sehr nah zu kennen. Kennen heißt, eben nicht nur zu wissen, wer er oder sie ist, mit dem ich da zusammenlebe, welchen Beruf sie (oder er) ausübt, welche Hobbys er/sie hat, und vielleicht noch, welche Lieblingsspeise. Da würde niemand sagen, dies bedeute, jemanden nah zu kennen oder intim zu lieben. Oder? Gut, wir waren jetzt gerade in Dänemark und haben sehr gut gegessen, aber haben wir zwanzig, die dort mit waren, deshalb schon intim zusammengelebt? Hoffentlich nicht J. Es bedeutet eben, die andere Person auch emotional zu kennen. Das heißt, dass ich die Gefühle der anderen Person einschätzen kann. Dass ich weiß, was er oder sie gerade denkt, und wie bestimmte Dinge auf ihn/sie wirken werden. Und eben auch diese Emotionalität miteinander zu teilen, diese Gefühle miteinander zu teilen. Das sowohl im Leid, im Schmerz, als auch in der Freude. Ich denke, hier könnten wir schon eher unterschreiben, dass das schon eher das eng miteinander leben, intim miteinander leben bedeutet. Es bedeutet auch, die andere Person zu akzeptieren, so, wie sie ist, mit all ihren Schwächen und Fehlern und Macken – und natürlich all den guten Seiten. Denn wenn es kein Akzeptieren wäre, bleibt die mögliche Intimität immer nur oberflächlich. Sie bezieht sich dann wirklich nur auf das Körperliche, das Sexuelle, wie wir das ja scheinbar immer so ein bisschen verstehen – so wie ich das aus euch bisher herausgekitzelt habe J. Wenn wir das jetzt so akzeptieren, lässt sich vielleicht sogar sagen, je bedingungsloser ich die andere Person akzeptiere, desto tiefere Intimität ist vielleicht sogar möglich. Ich glaube, das stimmt: Je bedingungsloser ich die andere Person akzeptiere, desto tiefere Intimität ist möglich. Wir wissen, dass Gott uns ein großes, fettes „Ja“ gesagt hat. Da ist diese bedingungslose Akzeptanz. Von seiner Seite her ist tiefe Intimität vorhanden. Das Dumme an Beziehungen ist nur: sie sind zweiseitig. Und jeder muss seinen Teil dazu beitragen, dass diese Form von Intimität auch stattfindet. Jesus hat diese Art von Intimität mit dem Wort „kennen“ bzw. „erkennen“ beschrieben. Ich möchte mir mit euch in der Folge ein paar Bibelstellen anschauen, in denen Jesus mit den Pharisäern Streitgespräche über genau dieses Thema führt: Was bedeutet es, Gott zu kennen? Wer darf das sagen, Gott zu kennen (oder erkennen)? In Johannes 8, 12ff lesen wir: Als Jesus ein andermal zu ihnen redete, sagte er: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben. Da sagten die Pharisäer zu ihm: Du legst über dich selbst das Zeugnis ab. Dein Zeugnis ist nicht gültig. Jesus erwiderte ihnen: Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis gültig. Denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst nicht, woher ich komme und wohin ich gehe. Ihr urteilt, wie Menschen urteilen. Ich urteile über keinen. Wenn ich aber urteile, ist mein Urteil gültig. Denn ich urteile nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. (…) Ich bin es, der über mich Zeugnis ablegt, und auch der Vater, der mich gesandt hat, legt über mich Zeugnis ab. Da fragten sie ihn: Wo ist dein Vater. Jesus antwortete ihnen: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Würdet ihr mich kennen, dann würdet ihr auch meinen Vater kennen. In dieser Auseinandersetzung wird deutlich, dass hier zwei unterschiedliche Ebenen von „Kennen“ gemeint sind. Scheinbar reden sie aneinander vorbei. Gleich dazu mehr. Wir lesen weiter im gleichen Kapitel, Vers 55. Da sagt Jesus zu den Pharisäern: Doch ihr habt Gott nicht erkannt. Ich aber kenne ihn. Und wenn ich sagen würde, ich kenne ihn nicht, so wäre ich ein Lügner wie ihr. Aber ich kenne ihn und halte an seinem Wort fest. Ganz ähnlich in Johannes 17, 25, als Jesus betet: Gerechter Vater, und die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und diese (also seine Jünger) haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Jesus redet hier ganz viel über „Kennen“ und ich habe längst nicht alle Stellen herausgesucht, in denen es um dieses Kennen geht. Wir lesen in Kapitel 10, was Jesus unter diesem Kennen versteht. Er redet davon, dass er der gute Hirte ist, der gute Leiter: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht. Und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt. Ich kenne die meinen und die meinen kennen mich. Wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne. Und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Bedingungslose Hingabe scheint Jesus hier unter „Kennen“ zu verstehen. Leben aufgeben, alles zu geben, was man hat. Füreinander. Wenn wir diese Stellen mal in Zusammenhang mit jenen Stellen betrachten, in denen er mit den Pharisäern streitet (von denen ich auch nur eine von mehreren herausgegriffen habe), wird deutlich, dass die Pharisäer das Wort „Kennen“ eigentlich im falschen Sinn angewendet haben. Sie haben zwar davon gesprochen, Gott zu kennen („Wir kennen Gott“, „Wir sind Abrahams Söhne“, „Wir sind die Auserwählten“), aber was sie eigentlich meinen, war ein Wissen aufgrund von Gedanken und Schriftkenntnis. Man könnte sagen: aufgrund einer „richtigen Theologie“. Wahrscheinlich hatten sie alles studiert, was es über Gott zu studieren gab. Sie haben dabei aber nicht erkannt, dass es nicht das ist, worauf Gott sieht. Es ist nicht das, was Gott mit „Kennen“ meint. Jesus spricht an dieser Stelle von einem Wissen, das auf Erfahrung basiert, auf Grund einer intimen Beziehung. Einer Beziehung, die von Liebe, Nähe und vollständiger, bedingungsloser Akzeptanz gekennzeichnet ist. Er macht auch klar, dass dieses Wissen aufgrund von Gedanken und Schriftkenntnis, aufgrund von Theologie auf keinen Fall ausreichend ist. Es bedarf immer der Nähe zu Gott, um davon sprechen zu können, dass ich Gott kenne. Diese Kenntnis erst, diese intime Beziehung, ist das Leben. Jesus sagt das ganz klar in Johannes 17,3: Das ist das ewige Leben, dich den einzigen wahren Gott zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ewiges Leben meint an dieser Stelle nicht nur die Zeit nach unserem Tod, sondern bedeutet auch schon hier dieses Leben in Fülle, das Jesus an anderer Stelle verspricht. Diese wirklich tiefe, enge Beziehung, die unsere Gefühle und Gedanken prägt und durchdringt, wo wir in tiefe Beziehung mit Gott kommen. Wo es einfach passiert, dass wir im Gebet dasitzen und sagen: Wow, Gott ist so gut! Und dann fragen uns Leute: Warum ist denn Gott gut? Und wir müssen antworten: Wenn ich das jetzt konkretisieren soll, weiß ich das auch nicht. Aber ich weiß, dass Gott gut ist. Ich weiß das in meinem Herzen. Ich weiß noch, wir hatten auch im Hauskreis ab und zu so eine Diskussion. Da wurde die Frage gestellt: Wie könnt ihr eigentlich davon so überzeugt sein? Was für Beweise habt ihr? Man kann doch im Leben auch anders interpretieren, was passiert ist? Die Diskussion ging so ein bisschen hin und her. Auch da wurde wieder deutlich: Mit Wissen im Sinne von Gedanken, Schriftkenntnis oder so lässt sich auch das nicht erklären. Aber wir haben gesagt: Wir haben einfach erlebt, dass Gott gut ist. Das ist fest in unserem Herzen. Das wissen wir einfach. Das ist schön. Davon leben wir. Das trägt uns durch Schwierigkeiten. Wir wissen, dass Gott gut ist. Dass er immer für uns ist. Das ist, denke ich, mit „Gott kennen“ gemeint. Die Leute, die schon ein bisschen länger Christen sind, können sich vielleicht noch an die 80er Jahre erinnern. Da gab es diesen großen Aufkleber mit dem Ausspruch von Tolstoi: „Gott kennen ist leben“. Gibt es den heute auch noch? Ich glaube nicht. Er war immer groß auf irgendwelchen Gitarrenkoffern, in rot. Ich dachte früher immer: Tolstoi ist nicht die Bibel. Stimmt das überhaupt, was er sagt? Aber irgendwie stimmt das glaube ich schon. Ich hatte dann auch meine ersten Erfahrungen gemacht. Heute im Rückblick muss ich sagen: Wenn Tolstoi so etwas sagt, dann hat er Gott wahrscheinlich wirklich gekannt. Das heißt nicht, dass wenn man sagt: „Ich kenne Gott“, dass ich alles weiß über Gott, weiß, wie er morgen handelt, dass ich dies oder jenes über Gott weiß. Das ist eigentlich auch relativ unwichtig. Sondern das heißt, dass ich ihn in meinem Herzen kenne. Dass ich ihn erkannt habe. Dass ich diese emotional tiefe Beziehung zu ihm habe. Und dass ich mich immer wieder dessen versichere. Dass ich das pflege. Vielleicht ist an dieser Stelle ein Selbsttest mal ganz gut. Ein schonungsloser Selbsttest. Wenn wir ganz ehrlich sind: welche der beiden folgenden Aussagen beschreibt unsere Beziehung zu Gott am besten:
Natürlich: So wie ich das ganze aufgebaut habe, müsst ihr euch an der zweiten Stelle melden, um hier gut wegzukommen. Aber das ist hier nicht der Punkt. Ich möchte auch nicht, dass ihr euch jetzt meldet. Wenn ich ehrlich bin, würde ich mich auch nicht der ersten Aussage zuordnen, aber auch nicht der zweiten. Ich bin leider irgendwo dazwischen. Aber ich sehne mich nach dieser tiefen Beziehung. Mehr von ihm erkennen. Mehr in dieser engen, nahen Beziehung leben. Nach der sich wohl jeder Mensch sehnt. Wir sehnen uns danach, mit Menschen solche Beziehungen zu haben – und das ist auch natürlich. Aber ich glaube, jeder Mensch sehnt sich auch danach, mit Gott so eine Beziehung zu haben. Letzten Endes ist es auch egal, wie wir die Frage für uns selbst beantworten. Ich glaube, die Leute um uns herum können diese Frage gut für uns beantworten. Das ist vielleicht ein bisschen beängstigend. Denn wenn es für mich stimmt, dass Gott kennen Leben ist, und nicht nur irgendwelches Leben, sondern Leben in Fülle, also Vitalität, alles, was so dazu gehört, wirkliche Fülle, dann muss es doch eigentlich unsere Umwelt auch wahrnehmen, oder? Unser Leben müsste dann eigentlich von einer ansteckenden Dynamik und Begeisterung geprägt sein. Gottes Liebe und Kraft müsste in uns sein und ständig durch uns hindurchwirken, aus uns heraus fließen. Warum? Weil er in uns lebendig ist. Jetzt kommt das Fiese. Jetzt kehren wir nämlich das Ganze, was ich eben gesagt habe, einmal um. Dann können wir nämlich diese gemeine Frage stellen: Sehen wir deswegen heute so wenig von Gottes Wirken, weil wir nicht in dieser engen Beziehung zu Gott leben, wie Jesus uns das verheißen hat und wie ich das eben beschrieben habe? Ich fürchte, ich muss euch die schlechte Nachricht machen: Ja! Alles, was Jesus gesagt und gelehrt hat, hängt immer mit der Enge unserer Beziehung zu Gott zusammen. Wie eng leben wir mit ihm? Wie nah sind wir ihm? Jesus sagt sogar: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Man könnte auch sagen: Ohne diese enge Beziehung könnt ihr nichts tun. Das könnt ihr vergessen! Es ist gut, wenn ihr dafür betet, klar. Aber arbeitet an dieser Beziehung. Das ist auch ein Aufruf: Arbeitet an dieser Beziehung zu Gott. Arbeitet nicht daran, nur mehr Schriftkenntnis zu erwerben (Ich sage nicht, dass das schlecht ist. Das ist auch gut. Es ist ja ein Teil dessen, wie wir Gott auch kennen lernen). Arbeitet an dieser Beziehung. Baut diese Beziehung zu ihm. Ich denke, dass die allermeisten diese Intimität mit Gott, diese Nähe zu ihm, wirklich erleben wollen. Aber irgendwie kommt ja immer etwas dazwischen – oder ist bereits dazwischen gekommen. Welche Probleme könnten das wohl sein? Einen kleinen Teil können wir vielleicht abschieben. Zum Beispiel auf die Gemeinde, die Kirche. Die Kirche lebt es eben auch nicht vor, dass es um eine enge, intime Beziehung zu Gott geht. Leider müssen wir mit ansehen, dass es relativ viele Gemeinden gibt, die eigentlich eher Lehrinstitute geworden sind. Teilweise auch in lebendigen Gemeinden werden Dinge über Gott berichtet. Da ist es natürlich auch kein Wunder, dass wir, wenn wir uns neu damit befassen, auch an diesen Punkt kommen: Wir müssen was über Gott wissen. Aber das ist nicht der Punkt. Wir müssen Gott kennen lernen. Ihn erkennen. Aber der größte Teil ist tatsächlich unsere Verantwortung. Ich möchte aus Offenbahrung 3, Vers 15 und 16 lesen: Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß. Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien. Diese sehr heftige Stelle spricht ganz klar davon, dass ein Problem ist, dass wir lauwarm geworden sind. Was heißt „Lauwarm-sein“: Es heißt, unentschieden geworden zu sein. Wir pendeln ein bisschen hin und her zwischen Gott und der Welt. Entscheiden uns nicht richtig für diese Beziehung. Oder vielleicht auch: Bei der ersten Schwierigkeit aufzugeben. „In diese Beziehung investier ich mich nicht weiter rein. Mein Nachbar hat mir auch schon gesagt, wie komisch er mich findet, seit ich ihm erzählt habe, dass ich jetzt Jesus nachfolge. Das lasse ich lieber. Ich will ja nicht komisch wirken.“ Oder was es auch sein kann. Auf jeden Fall steht dieses Lauwarme dazwischen. Wodurch kommt dieses Lauwarme: Ich denke, ganz klar dadurch, dass wir nichts – oder zu wenig - in diese Beziehung investieren. Dadurch, dass wir die Beziehung nicht pflegen. Wenn wir mit Menschen eine Beziehung haben, ist ganz klar, dass wir etwas tun müssen, um diese Beziehung aufrecht zu erhalten. Da reicht dann auch nicht ein Telefonanruf am Jahresanfang und dann ein Jahr über nichts. Dann kennt man sich vielleicht von Ferne. Aber eng wird eine Beziehung so nicht. Warum sollte das mit Gott anders sein? Interessanterweise denken wir das manchmal: Gott ist da. Er ist souverän und er passt auf mich auf. Das hat er ja schließlich gesagt. Wunderbar. Und von Gottes Seite schließlich auch kein Problem. Er hat dieses fette Ja gegeben. Er hat alles für die Beziehung gegeben. Nur: wenn gar nichts von unserer Seite kommt, wenn wir es nicht empfangen und aufnehmen, wenn wir nicht sagen: „Ja, Herr, ich möchte mehr von dir“, dann nützt das alles nichts. Wie können wir die Beziehung mit Gott pflegen? Wir verbringen Zeit mit Gott. Wir beten. Wir halten Stille Zeit. Wir suchen Zeiten, in denen wir Gemeinschaft halten können mit Gott, wo wir wirklich abgeschirmt sind von anderen Einflüssen. Dafür ist eine Gebetszeit gut, eine stille Zeit, oder wie immer man das auch nennen möchte. Sich wirklich ganz auf Gott auszurichten, sich aus dem Alltag herauszunehmen und zu sagen: Gott, jetzt hast wirklich nur du Raum. Sich solche Zeiten zu nehmen, und nicht, - wozu die meisten von uns neigen – sich erst einmal in die Fürbitte zu flüchten „Oh Gott, ich habe hier noch ein Anliegen. Und meiner Oma geht es auch schlecht. Und könntest Du nicht hier noch eine Heilung oder dort jenes vollbringen….“ Dann haben wir uns diese halbe Stunde – oder wie viel wir uns genommen haben – verquatscht. Wir haben nicht diese Beziehung aufgebaut und gelebt. Auch hier ein kurzer Einschub. Versteht mich nicht falsch. Es ist gut, für Leute zu beten. Aber wenn wir es nur tun, gehen wir auch wieder an dieser Beziehung zu Gott vorbei. Wir brauchen diese Zeit. Ich glaube, dass muss man erst einmal lernen, jedenfalls ging mir das so. Ich bin leider immer noch nicht sehr weit gekommen dabei, leider. Sich einfach nur hinzusetzen und zu sagen: Jetzt verbringen wir mal Zeit. Meistens geht es mir dann so, dass mir fünf Millionen Gedanken durch den Kopf schießen. Dies und jenes muss erledigt werden. Das ist gestern passiert. Ich merke, dass ich gar nicht frei bin, Gott zu begegnen, weil noch so viel anderes mir durch den Kopf geht. Aber ich merke auch, je häufiger ich versuche, mit Gott diese Beziehung aufzubauen und mich zu investieren, desto leichter fällt es mir. Das Wichtigste ist jetzt sowieso nicht diese Anstrengung, dieses Sich-Verkrampfen: „Oh Herr, ich brauche jetzt Zeit mit Dir!“, sondern diese Offenheit. Und wenn wir merken, wir können es nicht, wir schaffen es nicht, unsere Gedanken zu fokussieren, dann können wir Gott auch bitten, dass er uns hilft. Er wird es tun. Die Frucht, das Ergebnis, das wir sehen werden, ist, dass wir merken: Wir sind begeistert. Wir sind getragen in dieser Beziehung. Das Interessante ist, dass wir dann auch durch einen sehr stressigen, sehr anspruchsvollen Alltag gehen können und vielleicht nicht sagen können: Das sind tiefe Zeiten mit Gott. Aber trotzdem in dieser intimen Beziehung zu Gott zu leben. Zu spüren, dass er trotzdem da ist. Selbst wenn wir helfen, irgendwelche Kinder zur Welt zu bringen oder Geschäfte regeln oder Kinder unterrichten müssen, oder was auch immer. Oder Einkaufen gehen. Wir merken, Gott ist da. Wir leben auf einem Level, weil wir Gott erkannt haben. Wie ich das schon mit meinem Beispiel aus dem Hauskreis vorhin gesagt habe: Wir saßen achselzuckend da und merkten, wir wissen es einfach irgendwie. Und es ist gut. Wir sind begeistert davon. Wir spüren diese Freude in unserem Herzen. Diese Erkenntnis verändert uns. Das ist nicht nur bei Leuten so, die sich gerade für Jesus entschieden haben und das erste Mal diese Erfahrung machen. Das kann auch bei Leuten sein, die schon ganz lange mit Jesus gehen. Die haben natürlich auch ihre Aufs und Abs erlebt. Aber diese Tiefe der Beziehung ist möglich. Dafür lohnt es sich, sich danach auszustrecken. Da, wo ich das erlebe, wird mein Leben reich. Es wird leicht. Das heißt nicht, dass es keine Probleme mehr gibt. Es gibt natürlich auch schwere Zeiten. Aber ich merke, dass ich auf Jesus stehe, dass ich in der Beziehung stehe, und dass das, was Jesus sagt, wirklich war ist. Wenn ich in dieser Beziehung gegründet bin, kann nichts mir etwas anhaben. Paulus bringt da die unmöglichsten Beispiele. In Römer 8 muss man sich vergegenwärtigen, dass Paulus hier diese Aufzählung nicht macht, weil er sich in sein Studierkämmerchen zurückgezogen hat und überlegte, was man denn mal so als gute Extreme aufschreiben kann. Nein, Paulus hat jedes dieser Sachen, die er hier aufgeschrieben hat, am eigenen Leib erfahren. Er schreibt: Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not, oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Denn ich bin gewiss, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe, noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Es gibt wirklich nichts, selbst das Grausamste, Schrecklichste, was wir uns vorstellen können, kann uns nicht scheiden von der Liebe Gottes. Es ist unmöglich. Sie ist da. Was bleibt uns zu tun? Erst mal die Frage: Möchte ich das? Möchte ich wirklich in dieser engen Beziehung leben? Natürlich auch die Frage: Glaube ich dem Typen da vorne das, was er erzählt. Aber gut, das ist das Risiko J . Wenn ich die Frage, ob ich das möchte, mit Ja beantwortet habe, dann ist es einfach gut, sich Gedanken darüber zu machen, wo ich gerade stehe. Vielleicht hilft da auch diese Selbsttestfrage. Weiß ich Dinge über Gott oder habe ich Gott erkannt? Wie gegründet ist diese Beziehung. Und wenn ich dann feststelle, dass alles gar nicht so doll ist, kann es hilfreich sein, das auch wirklich zu bekennen und umzukehren. Da, wo ich diese Beziehung aktiv verwässert habe, wo ich andere Dinge habe wichtiger werden lassen. Wenn ich das so tun möchte, gilt es, an dieser Stelle umzukehren. Dann ganz neu anzufangen mit Gott und zu sagen: „Ja, ich möchte mit dir leben. Ich möchte dich suchen. Gib mir dieses Herz, das dich sucht. Jeden Tag wieder neu.“ Und Gott möchte euch das schenken, auch wenn ihr das bisher noch nicht erlebt habt. Er wird es euch schenken. Ich habe das erlebt. Leider ist das nicht permanent, sondern kann einem immer wieder wegrutschen. Aber wir können Gott immer wieder suchen und ihn bitten. Und wenn wir Gott erleben, dann ist das einfach supergut. Für eine Weile klappt das Leben wie am Schnürchen. Man geht wie auf Wolken. Ich will nicht sagen, dass keine Probleme mehr da wären – aber ich lebe in dieser anderen Dimension. Ich habe erkannt, dass Gott für mich ist und mich erkannt hat. Und ich glaube, das ist wirklich lebensverändernd. Und wir alle, mich eingeschlossen, haben da noch einiges zu lernen. Aber es ist spannend. Begeisternd. Amen. |