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Letzte Woche haben wir eine Predigtserie über Nehemia begonnen, und wenn wir eine Predigtserie machen, dann dauert das bei uns üblicherweise vier oder fünf Predigten. Für diejenigen, die das letzte Mal nicht da sein konnten, möchte ich einen kurzen Rückgriff machen, damit ihr heute gut einsteigen könnt: Nachdem etwa 1000 vor Christus Jerusalem zum Zentrum des Volkes Israel geworden war und dort vier Jahrhunderte lang die Könige der Linie Davids regierten, der Tempel in Jerusalem das Zentrum der Gottesdienste war, und der Thron Davids die Hoffnung für die ganze Nation Israel darstellte, wurde es 586 vor Christus von den Babyloniern erobert, der Tempel und der Thron zerstört. Die Bewohner wurden verstreut, geraten in die babylonische Gefangenschaft. So auch die Vorfahren Nehemias. Gut 14o Jahre später hatte dieser sich zum Mundschenk des Königs hochgearbeitet, als er von Gott berufen wurde. Von dieser Berufungsgeschichte haben wir letztes Mal mitbekommen. Er wurde berufen, Unglück und Schmach der Bewohner Jerusalems abzuwenden und die Stadtmauern Jerusalems wieder herzustellen. Das war ganz kurz zusammengefasst der Auftrag. Wir konnten uns letzten Sonntag einfach hinein nehmen lassen, wie das ganze Leben von Nehemia dadurch gekennzeichnet war, so dass man die Überschrift geben könnte: „Die gute Hand meines Gottes ist über mir.“ Das ist die Grundhaltung gewesen, von der Nehemia von sich selbst wusste, und auf die er Bezug nehmen konnte, wenn er mit anderen geredet hatte. Heute möchte ich also den nächsten Abschnitt der Geschichte Nehemias nachzeichnen und dabei auf drei Aspekte besonders eingehen. Zum einen will ich noch mal herausstreichen, wie Gott allmächtig und das Gott in den Zeitablauf der Geschichte eingreift. Gott schreibt Geschichte. Gott ist allmächtig, und auch wenn es wichtig war, dass Nehemia seinen Auftrag in diesem ganzen Geschehen ausgeführt hat, so ist doch hier immer eine deutliche Gewichtung: Gott schreibt die Geschichte. Nehemia ist sein Diener und Knecht. Aber wir können uns auch Nehemia als Vorbild nehmen. Das ist der zweite Punkt: Was können wir von Nehemia für unser Leben lernen? Nun würde man sagen: Nicht jeder ist ein Nehemia. Dem würde ich auch zustimmen. Und doch können wir von ihm lernen, wie er in allen Lebenslagen Gott gesucht hat im Gebet. Wie er von seinen Verheißungen wusste und diese Verheißungen auf sein Leben anwenden konnte. Wie er begeisterungsfähig war, andere Leute für den Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, mit einzubeziehen. Und das bringt mich zu dem dritten Punkt, auf den ich eingehen möchte: Was bedeutet das für unser eigenes Leben und was können wir für unsere eigene Gemeinde, die Vineyard Altona daraus lernen? Ich möchte auch ein bisschen nachzeichnen, wo wir meiner Meinung nach schon daraus gelernt haben. Wo wir vielleicht ähnlich gehandelt haben, wie Nehemia vorgegangen ist. Wer mitlesen möchte, kann das tun. Im Buch Nehemia, im zweiten Kapitel, ab Vers 11 heißt es: Und ich kam nach Jerusalem und war drei Tage dort. „Ich“ ist Nehemia. Als Nehemia in Jerusalem ankommt, hat er eine lange, anstrengende Reise von weit über tausend Kilometern hinter sich. Er kam ja vom Sitz des persischen Königs in Susa. Damals musste er die Reise wahrscheinlich auf Reittieren begehen, begleitet von einer kleinen Schutztruppe. Die Reise war also mit körperlicher Anstrengung verbunden, wahrscheinlich auch mit Furcht vor Feinden, auch wenn er ein Empfehlungsschreiben des Königs mit sich führte, auch wenn er eine kleine Schutztruppe dabei hatte, die ihn begleitete. Aber er hatte auf dieser Reise auch die Gewissheit mit sich, dass – jetzt komme ich wieder auf dieses Zitat – „die gute Hand seines Gottes über ihm“ war. Dass hatte er gewonnen in langem Beten und Fasten. Er beruft sich in seinen Gebeten auf die Zusagen Gottes, also kennt er seine Verheißungen. Es gibt einige Evangelisten, die, bevor sie in einer Stadt die gute Nachricht, das Evangelium verkünden möchten, warten und beten. Sie schließen sich in einen Raum ein und durchbeten zunächst die Situation, bis sie empfinden, dass der Zeitpunkt gekommen ist, an dem Gott sie in die Öffentlichkeit schickt. So kann man sich diese drei Tage von Nehemia vielleicht auch vorstellen. Nehemia sammelt sich, tankt auf, konzentriert sich auf seinen Auftrag, besinnt sich auf Gottes Verheißungen. Was sind denn solche Verheißungen? Sie können ähnlich geklungen haben wie z.B. in Jesaja 60, 10: „Und die Söhne der Fremden werden deine Mauern bauen, und ihre Könige dich bedienen, denn in meinem Zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner Huld habe ich mich über dich erbarmt.“ Oder in Jesaja 61,4: „Sie werden die uralten Trümmerstätten aufbauen, das früher Verödete wieder aufrichten. Und sie werden die verwüsteten Städte erneuern, was verödet lag von Generation zu Generation.“ 140 Jahre, über Generationen hinweg, lag Jerusalem in Trümmern. Nehemia hatte in seinen Gebeten die Vision bekommen, dass jetzt die Zeit des Wiederaufbaus sei, dass jetzt die Mauer wiederhergerichtet werden könnte. Ich lese die nächsten Verse: „Und ich machte mich bei Nacht auf, ich und einige wenige Männer mit mir. Ich hatte aber keinen Menschen mitgeteilt, was mein Gott mir ins Herz gegeben hatte, für Jerusalem zu tun. Und es war kein Tier bei mir, außer dem Reittier, auf dem ich ritt. So zog ich nachts durch das Taltor hinaus, in Richtung auf die Drachenquelle und das Aschentor. Und ich untersuchte die Mauern von Jerusalem, die niedergerissen, und ihre Tore, die vom Feuer verzehrt waren. Und ich zog hinüber zum Quellentor und zum Königsteich. Als aber für das Reittier unter mir kein Raum da war durchzukommen, stieg ich bei Nach das Bachtal hinauf und untersuchte die Mauer. Und ich kam wieder herein durch das Taltor. So kehrte ich zurück. Die Vorsteher aber hatten nicht erkannt, wohin, ich gegangen war und was ich getan hatte. Denn ich hatte den Juden und den Priestern und den Edlen und den Vorstehern und dem Rest, der an dem Werk mitarbeiten sollte, bis dahin nichts mitgeteilt.“ Letzten Sonntag hatten wir gehört, dass Nehemia von seinem Bruder und einigen Bekannten vom Zustand der Mauer gehört hatte. Er hatte von Gott den Auftrag bekommen, die Mauer wieder aufzurichten. Und der Zustand der Mauer muss bei seiner Ankunft augenscheinlich gewesen sein. Dennoch verschafft sich Nehemia vor seinem öffentlichen Auftritt selbst einen detaillierten Überblick. Wenn Nehemia betont: „Ich hatte aber keinem Menschen mitgeteilt, was mein Gott mir mein Gott für Jerusalem zu tun ins Herz gegeben hat“, dann lässt er sich von Sprüche 12,23 leiten: „Ein kluger Mensch hält seine Erkenntnis verborgen, aber das Herz des Toren schreit Narrheit hinaus.“ Für mich handelt es sich bei dieser nächtlichen Begehung der Mauer aber eigentlich weniger um eine Inspektion als um einen Gebetseinsatz. So wie sich Nehemia in jeder Lebenslage vertrauensvoll an Gott wendet, so möchte er nun bestimmt seine Trauer am Grad der Zerstörung, die menschlich gesehene Hoffnungslosigkeit, die Mischung aus Empörung und Ohnmacht, vor ihn bringen und sich gleichzeitig an die Zusagen erinnern, die Gott ihm gegeben hat. Er will sich an seinen Auftrag besinnen und an den, der dahinter steht, der zu ihm steht. Den, der alles in der Hand hält. Den, der sogar den König bewegt hat, Nehemia ziehen zu lassen, um Gottes Auftrag zu erfüllen. Ich erinnere mich, wenn ich das so als einen Gebetseinsatz interpretiere, an die Zeiten, in denen die Gemeinde hier entstanden ist. Es hat uns nicht bekümmert, dass wir keine Stadtmauern von Altona mehr sehen, aber es hat uns bekümmert, dass hier unzählige Menschen sind, die die Liebe Gottes nicht kennen, die ihr nicht begegnen, die daran vorbei gehen, einfach daran vorbeigehen. Das ist eines der Grundkümmernisse gewesen, die uns angetrieben hat, uns von Gott führen zu lassen, wie er uns beauftragen wird. Und wir haben Gebetseinsätze gemacht, indem wir einfach durch die Straßen gegangen sind und für den Stadtteil gebetet haben. Wir haben dafür gebetet, dass die Menschen in Altona Gottes Liebe begegnen können. Und wir haben diesen Auftrag Stück für Stück in unser Herz aufgenommen und bewegt. Stück um Stück ist die Vision gewachsen, dass sich daraus etwas wie eine Gemeinde gestalten kann. Und wir sind zur Gemeinde berufen. Wenn ich heute hier stehe, dann bin ich einfach baff darüber, was Gott macht. Dann nehme ich auch gern in Anspruch, dass wir von uns sagen können: „Die gute Hand unseres Gottes ist über uns.“ Ich wünsche mir, dass wir dort weiter gehen. Nehemia kam also aus dieser Gebetszeit – und das, so muss ich deutlich dazu sagen, ist eine Interpretation meinerseits. Ich sage, ich kann mir Nehemia nicht anders vorstellen, weil er in jeder Situation gebetet hat, als dass er auch bei diesem nächtlichen Spaziergang gebetet hat. Er weiß um seinen Auftrag in seinem Herz. Jetzt gilt es darum, ihn zu kommunizieren, zu vermitteln. Ich gehe jetzt in die Rede von Nehemia, ab Vers 17: „Nun sagte ich zu ihm: Ihr seht das Unglück, in dem wir sind, dass Jerusalem verödet daliegt und seine Tore mit Feuer verbrannt sind. Kommt und lasst uns die Mauer Jerusalems wieder aufbauen, damit wir nicht länger geschmäht werden können! Und ich berichtete von der Hand meines Gottes, die gütig über mir gewaltet hat, und auch von den Worten des Königs, die er zu mir geredet hatte.“ Ich möchte diese Rede in vier Abschnitte teilen. Als Erstes: „Ihr seht das Unglück, in dem wir sind, dass Jerusalem verödet daliegt und seine Tore mit Feuer verbrannt sind.“ Nehemia kommt ja von weit weg, über tausend Kilometer nach Jerusalem. Aber er solidarisiert sich mit den dortigen Bewohnern. Er solidarisiert sich mit den Verantwortlichen in Jerusalem. Er sagt nicht: „Ihr seid ja dumm. Seht ihr nicht, dass ihr diese Mauer wieder aufrichten sollt? 140 Jahre seit ihr dazu nicht in der Lage gewesen!“ Er steht selbst mitten drin, wenn er vom „Unglück, in dem wir sind“ spricht. Das Zweite: „Kommt und lasst uns die Mauer Jerusalems wieder aufbauen, damit wir nicht länger geschmäht werden können!“ Auch da wieder bezieht er sich mit ein. Er empfindet selbst Scham und Schmach darüber, dass die Mauer Jerusalems zerstört worden ist. Er ermutigt und gibt so eine Initialzündung: „Kommt, und lasst uns wieder aufbauen!“ So eine Initialzündung kann nicht aus menschlicher Kraft, kann nicht nicht menschlichem Charisma gelingen. So eine Initialzündung kann nur da funktionieren, wo Gottes Auftrag wirklich auf ihm ist. Und Gott zu den Menschen redet, sie bewegt und – ich würde sogar noch einen Schritt darüber hinausgehen – die Menschen schon weiter vorbereitet hat. Es ist bestimmt nicht nur die Rede gewesen, nicht dieser Halbsatz, „Kommt und lasst uns die Mauer Jerusalems wieder aufbauen“, dass das nach über hundertvierzig Jahren bringt. Gott schreibt Geschichte. So auch hier. Aber er war angewiesen darauf, dass Nehemia hingegangen ist und seinen Auftrag gefolgt ist. Und auch die Worte ausgesprochen hat. Aber Gott schreibt Geschichte, bewegt und kommt jetzt hier auch dazu, die ganze Bevölkerung mit einzubeziehen. Dazwischen kommen noch zwei weitere Punkte. Er berichtete von der Hand seines Gottes, die über ihm gewaltet hatte. Dieses Zeugnis bewirkt ganz viel. Es schafft Vertrauen, es schafft den Bewohnern Jerusalems Vertrauen zu dem Gott ihrer Väter, den sie ja kannten, der aber bislang mit diesem Unglück und mit dieser Schwierigkeit offensichtlich noch nicht in Zusammenhang gebracht werden konnte. Sie kannten ihn ja. Sie priesen ihn sicherlich auch als den Allmächtigen. Und doch sind sie nicht darauf gekommen, dass er ihnen dabei helfen würde, jetzt die Mauern wieder zu errichten. Aber indem Nehemia davon berichtet, wie die Hand Gottes über ihm ist, die ganze Geschichte, die wir letzten Sonntag gehört haben: wie der König bewegt war, wie der König zum Beispiel Materialien freigegeben hat, dass Nehemia mit Material versorgt werden sollte, dass er Briefe bekam durch die verschiedenen Gebiete ziehen zu dürfen, das alles ist ein Zeichen dafür, dass Gott mit der Geschichte ist, und dass nicht Nehemia sich selbst beauftragt, sondern dass Gott dahinter steht. Schließlich berichtet Nehemia auch von den Worten des Königs. Das ist ganz interessant bei Nehemia, dass er immer die Seite Gottes, und das Gebet, mit der Seite des ganz Alltäglichen, des ganz Weltlichen, in Einklang bringt. Auch vor dem König hat er Gunst gehabt. Und auch das ist ihm wert gewesen zu berichten. Auch darauf beruft er sich. Das macht seine Ganzheitlichkeit aus. Und dann ist es in Vers 18 im zweiten Halbsatz, dass die Bevölkerung sagt: „Wir wollen uns aufmachen und bauen! Und sie stärkten ihre Hände zum Guten.“ Da wird sich Nehemia erleichtert gefühlt haben, dass seine Rede angekommen ist und umgesetzt wird. Ich denke, er hat diese Vision mit der Zeit entwickelt. Am Anfang ist der Auftrag da gewesen, die Mauer wieder aufzurichten. Während er vielleicht dort seine nächtliche Inspektionsreise gemacht hat, kann ich mir vorstellen, dass er angefangen hat, sich ein Bild der Verwirklichung vor seinem inneren Auge abzuspielen. Er ist immerhin drei Tage in Jerusalem gewesen und hat die Menschen dort gesehen. Auch das ist nicht irgendwo belegt, aber entspricht dem, wie ich mir vorstellen könnte, wie sich so eine Vision entwickelt, dass er die Menschen, die er tagsüber auf den Plätzen gesehen hat, in Zusammenhang gesetzt hat mit diesem Mauerbau. So wie es nachher auch umgesetzt hat. Dass er nicht nur die Zerstörung der Mauer gesehen hat, sondern, während er dort herumgegangen ist, schon gesehen hat, dieser oder jener, der ihm am Tag begegnet ist, mit einbezogen war in den Mauerbau. Auch da könnten wir wieder eine Parallele schlagen zu unserer Vision für Altona. Auch da ist die Frage, ob es uns gelingt, wenn wir betend durch die Straßen gehen, wie die Person, der wir begegnen, Gottes Liebe erlebt, spürt, Veränderung bekommt und mit hinein genommen wird, mit Teil des Reiches Gottes wird. Es gibt nicht nur Jubel daraufhin. Der Widerstand kommt zunächst von außen. Ich lese in Vers 19: „Als aber Sanballat, der Horoniter, und Tobija, der ammonitische Knecht, und Geschem, der Araber, davon hörten, spotteten sie über uns und verachteten uns und sagten: Was ist das für eine Sache, die ihr da tun wollt? Wollt ihr euch gegen den König empören? Da gab ich ihnen zur Antwort und sagte zu ihnen: Der Gott des Himmels, er lässt es uns gelingen. Und wir, seine Knechte, wollen uns aufmachen und bauen. Ihr aber habt weder Anteil noch Anrecht, noch Gedenken in Jerusalem.“ Man muss sich das überlegen, dass diejenigen, die jetzt gespottet haben, immerhin die Völker waren, die hier geherrscht haben. Dies waren die Siegermächte. Doch Nehemia kann trotzdem antworten und zu ihnen sagen: „Gott ist auf unserer Seite.“ Er lässt sich gar nicht beirren. „Gott, er lässt es uns gelingen. Und wir wollen uns aufmachen und bauen.“ Da spricht auch mit rein, dass er sich mit dem Spott gar nicht weiter auseinander setzt, sondern sagt: „Wir haben unseren Auftrag.“ Er weiß, Gott wird sich kümmern um die, die da spotten. Gott wird Recht schaffen. Gott ist gerecht und er wird Recht schaffen. Aber ich folge meinem Auftrag. Es folgt in Kapitel 3 eine Liste der Bauleute, die ich aus Zeitgründen nicht im Einzelnen vorlesen möchte. Aber sie ist beeindruckend. Man kann viel über verschiedene Bevölkerungsgruppen daraus lernen. Es ist nicht einfach nur eine Chronikliste. Man kann dort etwas über das Jerusalem der damaligen Zeit lernen. Darüber, welche Ausmaße es gehabt hat, welche Tore es gegeben hat. Es lohnt sich also, sich auch damit auseinander zu setzen und es nicht einfach nur zu übergehen. Ich möchte auf einige Gruppen kurz eingehen, wenn ich auch das dritte Kapitel jetzt nicht gelesen habe. Mir ist da besonders wichtig, dass der oberste Priester Eljaschib allen voran genannt wird in der Liste derjenigen, die sich aufmachen und jeder einen Bauabschnitt mit übernehmen, er und seine Brüder allen voran. Ich denke, dass es wichtig ist, dass die Entscheidungsträger dort auch mit voran gehen. Das sind die, auf die geachtet wird, wie auch die Priester. Wenn die Menge sich in Bewegung setzt, gehen die voran und gelten auch als Beispiel. Das ist nicht mit allen Vornehmen so gewesen. Es wird zum Beispiel die Gruppe der Vornehmen von Tekoa berichtet, die sich nicht am Bau beteiligen. Denen ist es unwürdig gewesen. Ich finde es bezeichnend, dass das die Heimatstadt von Amos gewesen ist; Amos, der schon häufiger mit den Vornehmen aneinander geraten ist, weil er über sie Prophezeiungen abgegeben hat. Es zeigt sich einfach, dass dort ein verstocktes Herz gewesen ist. Es zeigt sich aber auf der anderen Seite, dass der freie Wille da gewesen ist, sich an Gottes Auftrag zu beteiligen oder sich dem auch zu entziehen. Es wird berichtet von Schallum und seinen Töchtern. Das ist heute vielleicht nicht mehr so aufmerkenswert wie zur damaligen Zeit, dass die Töchter mit am Bau beteiligt sind. Hier ist es, finde ich, ziemlich revolutionär, dass die Töchter in besonderer Weise erwähnt sind und das es zeigt: über gesellschaftliche Konventionen hinweg wurde der Bau vorgenommen. Kaufleute mussten ihr Geschäft schließen, um sich daran beteiligen zu können. Aber sie vertrauten darauf, dass Gott für sie sorgen würde. Genauso wie die Goldschmiede. Goldschmiede sind erwähnt und man kann sich vorstellen, dass sie sich verletzen konnten und dann berufsunfähig wurden, wenn sie sich ihre Hände verdorben hätten. Ein Stein falsch gefallen, ein Stein falsch gesetzt, und sie wären berufsunfähig gewesen bei noch viel schlechterer sozialer Absicherung als wir sie heute haben. Oder auch die Priester. Das Gebet ist die Grundlage für den Aufbau. Aber dann, als es soweit ist, aus der Hoffnung Wirklichkeit werden zu lassen, dann gilt es auch zuzupacken und den Gebetsraum zu verlassen. Da sind die Priester auch mit als Bauleute tätig. Nachdem in dem dritten Kapitel nun diese lange Liste genannt wird, auf die ich eben nur mal exemplarisch mit einigen Gruppen eingegangen bin, kommt anschließend noch einmal eine kurze Episode des Widerstands. Wir haben es noch einmal mit den Gleichen zu tun, mit Sanballat und denen aus den benachbarten Gebieten, die sich weiterhin mit Spott über die Juden hermachen. Aber Nehemia lässt sich von diesem Gespött der Feinde nicht ablenken, nicht reizen, sondern er unterscheidet ganz klar: was ist sein Auftrag – die Mauer zu vollenden – und was ist Gottes Sache – Recht zu sprechen und Recht zu schaffen. Und so kann er in Kapitel 3, 38 zusammenfassen: „Wir aber bauten die Mauer weiter auf, so dass die ganze Mauer bis zur Hälfte geschlossen werden konnte, und das Volk war mit ganzem Herzen an der Arbeit.“ Was können wir aus diesem Abschnitt lernen? Ich habe vorhin am Eingang schon die drei Fokusse erwähnt, auf die ich abheben möchte. Einmal Gottes Größe, Güte, Gerechtigkeit und Erbarmen. Er ist der lebendige Gott, der den neuen Exodus, die Wiederherstellung des alttestamentlichen Gottesvolkes bewirkt hat. Vielleicht noch einmal kurz zu dem Hintergrund, warum diese Königslinie Davids überhaupt zerstört wurde: Es ist nicht einfach so, dass mit den Babyloniern eine stärke Macht gewesen ist, und das jüdische Volk schwächer gewesen wäre. Sondern es hatte damit zu tun, dass innere Auflösungserscheinungen da waren. Das Gottesvolk hatte sich nicht mehr an Gottes Ordnung gehalten. Das Gottesvolk hatte angefangen, fremden Göttern zu dienen. Und das ist dem Gott Jahwe immer ein besonderer Dorn im Auge gewesen. Da kommt seine Eifersucht zum Tragen. Da wird er zornig. Und da hat er auch angekündigt, dass er darauf reagieren wird und nicht einfach sagen wird: „Da gehe ich drüber hinweg. Es ist ja mein Volk.“ Davor hat er aufs Entschiedenste immer gewarnt. Er hat angekündigt: „Wenn ihr fremden Göttern dient, dann werdet ihr zerstreut werden.“ Aber er hat auch angekündigt: „Wenn ihr euch wieder zu mir umkehrt, wenn ihr mich sucht, dann werde ich mich auch wieder erbarmen.“ Und das ist die Schlüsselstelle, die Nehemia hier verwenden konnte, die er anwenden konnte. Er ist in die Schuld seines Volkes mit hineingegangen, hat sich identifiziert und hat stellvertretend die Schuld seines Volkes vor Gott gebracht und dafür Buße getan. Er hat gebetet und gefastet. Und er hat Umkehr im Volk gehört. Das hat letztendlich zur Wiederherstellung beigetragen. Wie können wir uns Nehemia als Vorbild nehmen? Als erstes ist Nehemia Vorbild für mich darin, Gott in jeder Lebenslage zu suchen und zu erwarten. Und sich dann ihm zur Verfügung zu stellen. Nehemias Gebet ist ein besonders vertrauensvolles Gebet. Es ist nicht orientierungslos, fragend, hilflos, sondern er kennt Gottes Verheißungen. Nehemia ist ein Vorbild darin, von Gott eine Vision zu empfangen und sie in seinem Herzen weiter zu entwickeln. Nehemia erinnert uns auch daran, dass wir unsere Gemeinde nicht aus eigener Kraft bauen können. Nehemia ist ein gutes Beispiel für das alte, lateinische Sprichwort: „Ora et labora“. Er betet und er arbeitet. Was können wir als Einzelne oder als Vineyard Altona daraus lernen oder umsetzen? Ich habe vorhin bereits versucht, dass ein bisschen anzureissen. Wo ist der Ursprung unserer Beauftragung und Vision, - allgemein gefasst und erst einmal noch unabhängig von einer konkreten Gemeinde? Im Moment stehen wir in der Phase, diese Vision der Gemeinde weiter zu konkretisieren, weiter den Platz für jeden einzelnen zu finden, wo er sich in der Gemeinde einbringen kann, im übertragenen Sinn zu gucken: Wo ist dein Bauabschnitt? Jetzt nicht an einer Stadtmauer, sondern an der Gemeinde. Bau hat im Biblischen häufig mit Gemeinde zu tun. Wenn ich zum Beispiel im Psalm 127, 1 lese: „Wenn der Herr das Haus nicht baut, arbeiten die Erbauer vergebens daran“. In diesen Hausbau, in diesen Gemeindebau möchten wir einfach mit einladen. Das ist das, wo wir, wo ich mir wünsche, dass wir eine ähnlich lange Liste kriegen, wie sie in Nehemia 3 genannt ist. Und das nicht nur die, die vielleicht als erste dafür in der Lage gehalten werden, sich daran zu beteiligen, wie die Maurer oder die Handwerker im damaligen Sinn für die Mauer. Hier haben wir vielleicht auch unsere Vorurteile, wer besonders geeignet ist. Aber das wir dahin kommen, dass wir die Töchter entdecken, auch hier bei uns die Bereitschaft zu haben, dass Kaufleute sich einbringen, und die Prioritäten entsprechend setzen zu sagen: Wo ist der Ort, wo Gott mich jetzt im Moment haben möchte? Und das Vertrauen zu haben, dass er alle anderen Dinge dazu geben wird, wenn ich mich nach seinem Reich ausstrecke. Es ist ein Ruf in einen gemeinsamen Dienst, der Hand in Hand geht. Es ist schon sehr beeindruckend, wie sich das über diese ganze Länge der Stadtmauer, die ja kilometerlang gewesen ist, genau eingeteilt hat. Wenn man Kapitel 3 liest: Die Gruppe arbeitete von dem bis zu dem Tor, von dem Haus bis zu dem Abschnitt. Das wünsche ich mir für die Gemeinde, dass die Dienste so ineinander greifen, so zusammengefügt sind. Und dass sie harmonisch zusammengefügt sind. Ich frage noch einmal. Für die persönliche Anwendung steht für mich als erste Frage: Was trauen wir Gott zu? Was traust Du Gott zu? Hast Du dieses Bild von dem Gott, der Geschichte schreibt? Von dem Gott, der, obwohl er so allmächtig über allem steht, ganz persönlich auf deine Situation eingeht? Ganz persönlich dich anspricht und dich dort abholt, wo du jetzt stehst? Weißt du, was er dir ganz konkret als Verheißung für die nächsten Schritte gibt? Das wünsche ich mir, dass wir das jeder für uns selbst entdecken und dass wir einander auch darin helfen können, das zu entdecken. Was traust du Gott zu? Die zweite Frage, die vielleicht besonders aus diesem Kapitel kommt: Bist du eher ein Beter oder eher ein Macher? Ich finde, Nehemia hat das in vorbildlicher Weise ins Gleichgewicht gebracht, sein Beten und sein Handeln. Auf der einen Seite eine völlig abgefahrene göttliche Vision zu haben, nach 140 Jahren die Mauer von Jerusalem wieder aufrichten zu können, und auf der anderen Seite ganz pragmatisch nachher umsetzen zu können, wer wo die Arbeiten verrichtet, obwohl er nicht ein Fachmann darin gewesen war. Wir können uns das auch als Gemeinde insgesamt fragen. In der Vorbereitung dieses Kapitels habe ich festgestellt, dass wir als Gemeinde schon Phasen intensiveren Gebets gehabt haben für die Gemeinde. Ich wünsche mir, dass unser ganzes Wirken als Gemeinde auch wieder stärker vom Gebet durchdrungen wird, da seinen Ausgangspunkt hat und wir dort unsere Beauftragung entwickeln, Visionen entwickeln und Umsetzung gründen. Ich glaube, dass das immer eine Tendenz sein kann, wenn man startet und im Gehen ist, dass man plötzlich auf die Seite des Machens stärker rutscht. Und drittens, ganz konkret praktisch gefragt: Kennst du deinen Bauabschnitt beim Bau der Vineyard Altona? Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen können: Ist dir die Vision klar genug vermittelt? Das sollten wir vielleicht auch immer wieder wiederholen, so wie der Nehemia berichtet hat von seiner Geschichte mit Gott, dass diejenigen, die jetzt nicht schon vor drei Jahren mit dabei gewesen sind, wiederholt bekommen, wie das hier begonnen hat, damit es nachvollzogen werden kann, damit sie noch stärker mit einbezogen werden können, was der Weg bislang gewesen ist. Damit sie ihn besser mitzeichnen können. Die zweite Frage in diesem Zusammenhang ist: Fühlst du dich begabt genug? Und die Frage meine ich hier eher rhetorisch, weil aus der Liste dieser Bauleute klar geworden sein sollte, dass es nicht auf das Vordergründige ankommt, wofür man sich begabt hält. Und dass sich keiner für unbegabt halten soll. Aber dass wir uns darin fördern können, unsere Begabung zu entdecken, zu entfalten, weiter zu entwickeln. Und das ist mein Wunsch, dass jeder sich mit seinen Gaben einbringen kann. Und: Bist du mit ganzem Herzen bei der Sache? Als die Bevölkerung Jerusalems begonnen hat, die Mauer wieder herzurichten, ist beschrieben: „Das Volk war mit ganzem Herzen bei der Arbeit.“ Auch das ist ganz wichtig, um einem Auftrag Gottes nachzukommen: dass wir mit ganzem Herzen dabei sind. Man kann das nicht als Nebensache, als beiläufig abtun. Aber ich wünsche mir, dass diese Geschichte von Nehemia, und was er zu Werke gebracht hat mit Gottes Hilfe - und mit Gottes Hilfe nicht als Nebensatz hinten an – sondern gegründet darauf: weil der gute Gott über ihm ist, das wünsche ich mir, dass das jeder für sich in seinem eigenen Leben und das wir es als Gemeinde für uns erfahren können. Amen. |